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Aufdringlicher Kollege

Letzte Nachricht: 11. Mai um 12:38
10.05.21 um 19:47

Hallo liebe Community!

Ich bin in einer schwierigen Situation, die ich schon mit Freunden und Familie durchgesprochen habe. Von ihnen war aber noch niemand in so einer Situation und daher würde ich gerne eure Meinung/Ratschläge hören:

Ich bin seit einem Jahr neu in meiner Firma und habe am ersten Tag direkt meinen Kollegen kennengelernt. Er ist ziemlich aufgedreht und kommunikativ und zufällig aus derselben Stadt wie ich (ca. 40 Minuten Fahrt zur Arbeit). Weil wir uns ganz gut verstanden haben wollten wir eine Fahrgemeinschaft machen.

Wir sind dann ein zwei Monate zusammen gefahren. Es war für mich am Anfang auch angenehm, weil wir keine "unangenehmen Pausen" in den Gesprächen hatten. Haben über Gott und die Welt, meinen Partner (er ist Single) und natürlich viel über die Firma gesprochen. Dann wurde es aber irgendwann unangenehm für mich, weil er oft länger in der Firma bleiben wollte (Socializing mit KollegInnen) und zwei spezielle Situationen:

1. Er wollte mir ein Video von seiner Fußballmannschaft auf seinem Handy während der Fahrt zeigen (er saß am Steuer). Ich wollte es nicht sehen, weil mir beim Fahren schlecht wird wenn ich aufs Handy schaue. Das habe ich ihm gesagt. Er hat daraufhin den Blinker gesetzt und einen Rastplatz anzusteuern. Ich habe darauf bestanden, dass er auf der Autobahn bleibt, weil ich nach Hause wollte. Es hat nichts genutzt. Wir haben angehalten und ich musste das Video sehen.

Zwischenzeitlich versuchte er immer private Treffen zu forcieren - unter Vorwänden. Er meinte dann, es wäre etwas berufliches, das wir weder in der Firma noch im Aut besprechen könnten und dazu müssten wir uns so schnell wie möglich privat treffen. Das haben wir dann auch, es war aber immer eine Lapalie, also ein Vorwand (wie ich jetzt denke) um mit mir Zeit zu verbringen.

Ich empfand das zwar als lästig, aber war ja noch neu in der Firma und wollte ihn nicht vergraulen, nur weil er ein bisschen anhänglich ist. Er hat dann auch öfter angerufen mit beruflichen Belangen, was dann aber irgendwann ins private abgedriftet ist. Er hat sich auch ALLES was ich Mal erzählt habe penibelst gemerkt, mir einen "Antrag" gemacht, ob wir gemeinsam ein Projekt betreuen wollen und ein Tagebuch zum Geburtstag geschenkt, in dem er alles, was wir "erlebt" haben, dokumentiert hat. Dann kam der nächste Vorfall:

2. Er wollte mir einen Park in der Nähe der Firma zeigen. Ich habe gesagt, dass ich bitte direkt nach Hause möchte (er saß wieder am Steuer). Wir stiegen also in sein Auto aber er fuhr nicht direkt auf die Autobahn. Ich fragte ihn wohin er fährt und er meinte, dass er mir de Park zeigt. Es wären ja nur 2 Minuten Umweg. Aber darum ging es mir nicht. Ich habe dann gesagt, dass ich das nicht will, sondern nach Hause. Er bestand darauf und hat es nicht akzeptiert, woraufhin ich wirklich vehement darauf bestehen musste, dass wir direkt heim fahren. Er hat es dann zwar gemacht aber für mich war es vorbei.

Ich habe dann die Fahrgemeinschaft auslaufen gelassen. Am Anfang unter Vorwänden und irgendwamn endgültig. Da er in einer höheren Position als ich angestellt ist wollte ich ihn nicht vor den Kopf stoßen und habe mich, neben dem Ausstieg aus der Fahrgemeinschaft, auch im Büro von ihm entfernt. Ich war immer höflich, aber nicht mehr so unbedarft wie zuvor.

Seine Anrufe habe ich dann versucht zu "regeln", habe z.B. gesagt er soll bitte nicht einfach so mehrmals die Woche anrufen, weil ich dann immer denke, es wäre etwas in der Firma passiert. Noch dazu ist zu sagen, dass ich noch Probezeit habe, wir in derselben Abteilung sind und er sehr angesehen ist.

Nach meiner Distanzierung ging es mir sehr gut. Es hat mich arg belastet, dass er mich so bedrängt hat und in mein Privatleben eindringen wollte. Er hat nicht viele Bezugspersonen in der Firma und es war bei mir immer ein hin und her zwischen dem Wunsch ihn loszuwerden und dem Mitleid, dass er niemanden hat. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich viel entspannter war in der Zeit, in der wir nicht zusammen gefahren sind und keinen Kontakt hatten. Ihm ging es nicht so: er rief mich aus dem nichts an und meinte, es wäre krank geworden, weil ich ihn meide und ich fehle ihm. Ich war völlig geschockt und ehrlich gesagt auch angeekelt - mein Partner und ich sind super glücklich (heiraten bald) und mein Kollege war für mich nach den ganzen Grenzüberschreitungen ein rotes Tuch!

Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich kein Problem mit ihm habe, aber nicht mehr zusammen fahren möchte. Das Gespräch war sehr unangenehm und hat nicht lange gehalten. In der Firma habe ich ihn weiter gemieden und mich mit anderen Kollegen zusammengesetzt, die meine Grenzen achten. Es ging mir wieder wirklich gut. Nur nicht, wenn er dazu kam. Ich habe dann total verkrampft und innerlich abgeblockt..habe mich geekelt und mein Herz hat wie wild geschlagen. Da hab ich erst verstanden, dass ich eine regelrechte Abneigung bzw. fast schon Hass auf ihn entwickelt habe. All diese Grenzüberschreitungen mit dem Wissen, was ich ihm bedeute, haben sich für mich unerträglich addiert. Wie gesagt habe ich dann die Distanz weiter gewahrt (privat alles abgeblockt) und er wollte dann plötzlich eine Aussprache. Ich habe dann gesagt, dass er mir schreiben soll, was los ist. Das wollte er nicht - wir müssten uns privat so schnell wie möglich treffen, um die "nötige Tiefe" zu erreichen. Ich habe daraufhin gesagt, dass wir nur Kollegen sind und ich das nicht möchte. Auf der Arbeit ist alles in Ordnung und privat hätten wir nichts zu klären. Er meinte dann: "Nein, dann nicht. Dann beobachte ich das weiter.".

Das hat mir Angst gemacht. Ich wollte mich aber nicht mehr von ihm zu Treffen drängen lassen, mit denen ich mich nicht wohl fühle. Ich habe dann als Kompromiss ein Telefonat vorgeschlagen. Das hat er auch abgelehnt und weiter auf ein Treffen gedrängt. Das habe ich dann abgelehnt und ihm mitgeteilt, dass er mir zu nahe kommt, mir das unangenehm ist und ich kein privates Treffen mehr will. Er solle es respektieren und mich nicht versuchen zu einem Treffen zu locken von wegen "du erfährst nur um was es geht wenn du kommst". Daraufhin habe ich auch geschrieben er solle mir nicht mehr antworten auf diese Nachricht, ich möchte keinen privaten Kontakt mehr.

Es war für mich dann erledigt. Er hat aber trotzdem, gegen meinen Wunsch, geantwortet. Er sagte er würde mir gleich alles erklären, er müsse sich erst sammeln. Es kam dann eine 10-Minuten Sprachnachricht, die mein Freund abhören musste. Allein seine Stimme zu hören hätte mich extremst angeekelt. In der Nachricht hat er dann wohl erklärt, dass er Gefühle für mich gehabt hätte, jetzt aber nicht mehr. Es war alles sehr wirr. 
Ich habe dann mit der Seelsorgerin der Firma gesprochen, ihr alles erzählt. Sie hat mir geraten ihn zu blocken (Whatsapp, Anrufe, Facebook) und ihm das auch mitzuteilen, dass er mir ab jetzt nur noch über die Dienstmail schreiben darf. Aufgrund von Corona sehen wir uns nächste Woche das erste Mal wieder, nachdem ich ihn blockiert habe.

Mir ist richtig übel weil ich Angst habe, was passiert. Auch wenn die Seelsorgerin und alle anderen, denen ich das erzählt habe, sagen, dass ich richtig gehandelt habe, habe ich Angst. Es ist für mich eine Situation, an der ich so nah dran bin, dass ich sie nicht mehr richtig einschätzen kann.

Ich wäre dankbar um eine Stellungnahme zu der ganzen Situation (habe ich übertrieben oder war das angebracht?), eigene Erfahrungen und Ratschläge, wie ich den ersten Kontakt irgendwie durchstehen kann.

Danke euch!

Liebe Grüße
Caterpillah

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11.05.21 um 2:07
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Hallo liebe Community!

Ich bin in einer schwierigen Situation, die ich schon mit Freunden und Familie durchgesprochen habe. Von ihnen war aber noch niemand in so einer Situation und daher würde ich gerne eure Meinung/Ratschläge hören:

Ich bin seit einem Jahr neu in meiner Firma und habe am ersten Tag direkt meinen Kollegen kennengelernt. Er ist ziemlich aufgedreht und kommunikativ und zufällig aus derselben Stadt wie ich (ca. 40 Minuten Fahrt zur Arbeit). Weil wir uns ganz gut verstanden haben wollten wir eine Fahrgemeinschaft machen.

Wir sind dann ein zwei Monate zusammen gefahren. Es war für mich am Anfang auch angenehm, weil wir keine "unangenehmen Pausen" in den Gesprächen hatten. Haben über Gott und die Welt, meinen Partner (er ist Single) und natürlich viel über die Firma gesprochen. Dann wurde es aber irgendwann unangenehm für mich, weil er oft länger in der Firma bleiben wollte (Socializing mit KollegInnen) und zwei spezielle Situationen:

1. Er wollte mir ein Video von seiner Fußballmannschaft auf seinem Handy während der Fahrt zeigen (er saß am Steuer). Ich wollte es nicht sehen, weil mir beim Fahren schlecht wird wenn ich aufs Handy schaue. Das habe ich ihm gesagt. Er hat daraufhin den Blinker gesetzt und einen Rastplatz anzusteuern. Ich habe darauf bestanden, dass er auf der Autobahn bleibt, weil ich nach Hause wollte. Es hat nichts genutzt. Wir haben angehalten und ich musste das Video sehen.

Zwischenzeitlich versuchte er immer private Treffen zu forcieren - unter Vorwänden. Er meinte dann, es wäre etwas berufliches, das wir weder in der Firma noch im Aut besprechen könnten und dazu müssten wir uns so schnell wie möglich privat treffen. Das haben wir dann auch, es war aber immer eine Lapalie, also ein Vorwand (wie ich jetzt denke) um mit mir Zeit zu verbringen.

Ich empfand das zwar als lästig, aber war ja noch neu in der Firma und wollte ihn nicht vergraulen, nur weil er ein bisschen anhänglich ist. Er hat dann auch öfter angerufen mit beruflichen Belangen, was dann aber irgendwann ins private abgedriftet ist. Er hat sich auch ALLES was ich Mal erzählt habe penibelst gemerkt, mir einen "Antrag" gemacht, ob wir gemeinsam ein Projekt betreuen wollen und ein Tagebuch zum Geburtstag geschenkt, in dem er alles, was wir "erlebt" haben, dokumentiert hat. Dann kam der nächste Vorfall:

2. Er wollte mir einen Park in der Nähe der Firma zeigen. Ich habe gesagt, dass ich bitte direkt nach Hause möchte (er saß wieder am Steuer). Wir stiegen also in sein Auto aber er fuhr nicht direkt auf die Autobahn. Ich fragte ihn wohin er fährt und er meinte, dass er mir de Park zeigt. Es wären ja nur 2 Minuten Umweg. Aber darum ging es mir nicht. Ich habe dann gesagt, dass ich das nicht will, sondern nach Hause. Er bestand darauf und hat es nicht akzeptiert, woraufhin ich wirklich vehement darauf bestehen musste, dass wir direkt heim fahren. Er hat es dann zwar gemacht aber für mich war es vorbei.

Ich habe dann die Fahrgemeinschaft auslaufen gelassen. Am Anfang unter Vorwänden und irgendwamn endgültig. Da er in einer höheren Position als ich angestellt ist wollte ich ihn nicht vor den Kopf stoßen und habe mich, neben dem Ausstieg aus der Fahrgemeinschaft, auch im Büro von ihm entfernt. Ich war immer höflich, aber nicht mehr so unbedarft wie zuvor.

Seine Anrufe habe ich dann versucht zu "regeln", habe z.B. gesagt er soll bitte nicht einfach so mehrmals die Woche anrufen, weil ich dann immer denke, es wäre etwas in der Firma passiert. Noch dazu ist zu sagen, dass ich noch Probezeit habe, wir in derselben Abteilung sind und er sehr angesehen ist.

Nach meiner Distanzierung ging es mir sehr gut. Es hat mich arg belastet, dass er mich so bedrängt hat und in mein Privatleben eindringen wollte. Er hat nicht viele Bezugspersonen in der Firma und es war bei mir immer ein hin und her zwischen dem Wunsch ihn loszuwerden und dem Mitleid, dass er niemanden hat. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich viel entspannter war in der Zeit, in der wir nicht zusammen gefahren sind und keinen Kontakt hatten. Ihm ging es nicht so: er rief mich aus dem nichts an und meinte, es wäre krank geworden, weil ich ihn meide und ich fehle ihm. Ich war völlig geschockt und ehrlich gesagt auch angeekelt - mein Partner und ich sind super glücklich (heiraten bald) und mein Kollege war für mich nach den ganzen Grenzüberschreitungen ein rotes Tuch!

Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich kein Problem mit ihm habe, aber nicht mehr zusammen fahren möchte. Das Gespräch war sehr unangenehm und hat nicht lange gehalten. In der Firma habe ich ihn weiter gemieden und mich mit anderen Kollegen zusammengesetzt, die meine Grenzen achten. Es ging mir wieder wirklich gut. Nur nicht, wenn er dazu kam. Ich habe dann total verkrampft und innerlich abgeblockt..habe mich geekelt und mein Herz hat wie wild geschlagen. Da hab ich erst verstanden, dass ich eine regelrechte Abneigung bzw. fast schon Hass auf ihn entwickelt habe. All diese Grenzüberschreitungen mit dem Wissen, was ich ihm bedeute, haben sich für mich unerträglich addiert. Wie gesagt habe ich dann die Distanz weiter gewahrt (privat alles abgeblockt) und er wollte dann plötzlich eine Aussprache. Ich habe dann gesagt, dass er mir schreiben soll, was los ist. Das wollte er nicht - wir müssten uns privat so schnell wie möglich treffen, um die "nötige Tiefe" zu erreichen. Ich habe daraufhin gesagt, dass wir nur Kollegen sind und ich das nicht möchte. Auf der Arbeit ist alles in Ordnung und privat hätten wir nichts zu klären. Er meinte dann: "Nein, dann nicht. Dann beobachte ich das weiter.".

Das hat mir Angst gemacht. Ich wollte mich aber nicht mehr von ihm zu Treffen drängen lassen, mit denen ich mich nicht wohl fühle. Ich habe dann als Kompromiss ein Telefonat vorgeschlagen. Das hat er auch abgelehnt und weiter auf ein Treffen gedrängt. Das habe ich dann abgelehnt und ihm mitgeteilt, dass er mir zu nahe kommt, mir das unangenehm ist und ich kein privates Treffen mehr will. Er solle es respektieren und mich nicht versuchen zu einem Treffen zu locken von wegen "du erfährst nur um was es geht wenn du kommst". Daraufhin habe ich auch geschrieben er solle mir nicht mehr antworten auf diese Nachricht, ich möchte keinen privaten Kontakt mehr.

Es war für mich dann erledigt. Er hat aber trotzdem, gegen meinen Wunsch, geantwortet. Er sagte er würde mir gleich alles erklären, er müsse sich erst sammeln. Es kam dann eine 10-Minuten Sprachnachricht, die mein Freund abhören musste. Allein seine Stimme zu hören hätte mich extremst angeekelt. In der Nachricht hat er dann wohl erklärt, dass er Gefühle für mich gehabt hätte, jetzt aber nicht mehr. Es war alles sehr wirr. 
Ich habe dann mit der Seelsorgerin der Firma gesprochen, ihr alles erzählt. Sie hat mir geraten ihn zu blocken (Whatsapp, Anrufe, Facebook) und ihm das auch mitzuteilen, dass er mir ab jetzt nur noch über die Dienstmail schreiben darf. Aufgrund von Corona sehen wir uns nächste Woche das erste Mal wieder, nachdem ich ihn blockiert habe.

Mir ist richtig übel weil ich Angst habe, was passiert. Auch wenn die Seelsorgerin und alle anderen, denen ich das erzählt habe, sagen, dass ich richtig gehandelt habe, habe ich Angst. Es ist für mich eine Situation, an der ich so nah dran bin, dass ich sie nicht mehr richtig einschätzen kann.

Ich wäre dankbar um eine Stellungnahme zu der ganzen Situation (habe ich übertrieben oder war das angebracht?), eigene Erfahrungen und Ratschläge, wie ich den ersten Kontakt irgendwie durchstehen kann.

Danke euch!

Liebe Grüße
Caterpillah

Du musst mit deinem vorgesetzen sprechen. Alles aufschreiben wie in einem Tagebuch. Am besten so wie du es uns geschildert hast. Schalte alle sozialen Profile auf privat. Blovkiete ihn. Dahre nie wieder mit ihm, nimm ihn auch nicht mit. Kein Schriftverkehr,  keine telefobate. Nichts. 

Di musst deinen Chef einschalten. Er muss das wissen. Er muss! Nur so kannst du geschützt werden und du brauchst Schutz. 

Dieser Mann ist verluebt und total in seinem Gedanken verfallen. Vielleicht ist er auch krank. Man weiß es nicht. Wir kennen nur deine Sicht. Sprich nie wieder mit ihm und geh zum chef

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11.05.21 um 2:07
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Ich bin in einer schwierigen Situation, die ich schon mit Freunden und Familie durchgesprochen habe. Von ihnen war aber noch niemand in so einer Situation und daher würde ich gerne eure Meinung/Ratschläge hören:

Ich bin seit einem Jahr neu in meiner Firma und habe am ersten Tag direkt meinen Kollegen kennengelernt. Er ist ziemlich aufgedreht und kommunikativ und zufällig aus derselben Stadt wie ich (ca. 40 Minuten Fahrt zur Arbeit). Weil wir uns ganz gut verstanden haben wollten wir eine Fahrgemeinschaft machen.

Wir sind dann ein zwei Monate zusammen gefahren. Es war für mich am Anfang auch angenehm, weil wir keine "unangenehmen Pausen" in den Gesprächen hatten. Haben über Gott und die Welt, meinen Partner (er ist Single) und natürlich viel über die Firma gesprochen. Dann wurde es aber irgendwann unangenehm für mich, weil er oft länger in der Firma bleiben wollte (Socializing mit KollegInnen) und zwei spezielle Situationen:

1. Er wollte mir ein Video von seiner Fußballmannschaft auf seinem Handy während der Fahrt zeigen (er saß am Steuer). Ich wollte es nicht sehen, weil mir beim Fahren schlecht wird wenn ich aufs Handy schaue. Das habe ich ihm gesagt. Er hat daraufhin den Blinker gesetzt und einen Rastplatz anzusteuern. Ich habe darauf bestanden, dass er auf der Autobahn bleibt, weil ich nach Hause wollte. Es hat nichts genutzt. Wir haben angehalten und ich musste das Video sehen.

Zwischenzeitlich versuchte er immer private Treffen zu forcieren - unter Vorwänden. Er meinte dann, es wäre etwas berufliches, das wir weder in der Firma noch im Aut besprechen könnten und dazu müssten wir uns so schnell wie möglich privat treffen. Das haben wir dann auch, es war aber immer eine Lapalie, also ein Vorwand (wie ich jetzt denke) um mit mir Zeit zu verbringen.

Ich empfand das zwar als lästig, aber war ja noch neu in der Firma und wollte ihn nicht vergraulen, nur weil er ein bisschen anhänglich ist. Er hat dann auch öfter angerufen mit beruflichen Belangen, was dann aber irgendwann ins private abgedriftet ist. Er hat sich auch ALLES was ich Mal erzählt habe penibelst gemerkt, mir einen "Antrag" gemacht, ob wir gemeinsam ein Projekt betreuen wollen und ein Tagebuch zum Geburtstag geschenkt, in dem er alles, was wir "erlebt" haben, dokumentiert hat. Dann kam der nächste Vorfall:

2. Er wollte mir einen Park in der Nähe der Firma zeigen. Ich habe gesagt, dass ich bitte direkt nach Hause möchte (er saß wieder am Steuer). Wir stiegen also in sein Auto aber er fuhr nicht direkt auf die Autobahn. Ich fragte ihn wohin er fährt und er meinte, dass er mir de Park zeigt. Es wären ja nur 2 Minuten Umweg. Aber darum ging es mir nicht. Ich habe dann gesagt, dass ich das nicht will, sondern nach Hause. Er bestand darauf und hat es nicht akzeptiert, woraufhin ich wirklich vehement darauf bestehen musste, dass wir direkt heim fahren. Er hat es dann zwar gemacht aber für mich war es vorbei.

Ich habe dann die Fahrgemeinschaft auslaufen gelassen. Am Anfang unter Vorwänden und irgendwamn endgültig. Da er in einer höheren Position als ich angestellt ist wollte ich ihn nicht vor den Kopf stoßen und habe mich, neben dem Ausstieg aus der Fahrgemeinschaft, auch im Büro von ihm entfernt. Ich war immer höflich, aber nicht mehr so unbedarft wie zuvor.

Seine Anrufe habe ich dann versucht zu "regeln", habe z.B. gesagt er soll bitte nicht einfach so mehrmals die Woche anrufen, weil ich dann immer denke, es wäre etwas in der Firma passiert. Noch dazu ist zu sagen, dass ich noch Probezeit habe, wir in derselben Abteilung sind und er sehr angesehen ist.

Nach meiner Distanzierung ging es mir sehr gut. Es hat mich arg belastet, dass er mich so bedrängt hat und in mein Privatleben eindringen wollte. Er hat nicht viele Bezugspersonen in der Firma und es war bei mir immer ein hin und her zwischen dem Wunsch ihn loszuwerden und dem Mitleid, dass er niemanden hat. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich viel entspannter war in der Zeit, in der wir nicht zusammen gefahren sind und keinen Kontakt hatten. Ihm ging es nicht so: er rief mich aus dem nichts an und meinte, es wäre krank geworden, weil ich ihn meide und ich fehle ihm. Ich war völlig geschockt und ehrlich gesagt auch angeekelt - mein Partner und ich sind super glücklich (heiraten bald) und mein Kollege war für mich nach den ganzen Grenzüberschreitungen ein rotes Tuch!

Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich kein Problem mit ihm habe, aber nicht mehr zusammen fahren möchte. Das Gespräch war sehr unangenehm und hat nicht lange gehalten. In der Firma habe ich ihn weiter gemieden und mich mit anderen Kollegen zusammengesetzt, die meine Grenzen achten. Es ging mir wieder wirklich gut. Nur nicht, wenn er dazu kam. Ich habe dann total verkrampft und innerlich abgeblockt..habe mich geekelt und mein Herz hat wie wild geschlagen. Da hab ich erst verstanden, dass ich eine regelrechte Abneigung bzw. fast schon Hass auf ihn entwickelt habe. All diese Grenzüberschreitungen mit dem Wissen, was ich ihm bedeute, haben sich für mich unerträglich addiert. Wie gesagt habe ich dann die Distanz weiter gewahrt (privat alles abgeblockt) und er wollte dann plötzlich eine Aussprache. Ich habe dann gesagt, dass er mir schreiben soll, was los ist. Das wollte er nicht - wir müssten uns privat so schnell wie möglich treffen, um die "nötige Tiefe" zu erreichen. Ich habe daraufhin gesagt, dass wir nur Kollegen sind und ich das nicht möchte. Auf der Arbeit ist alles in Ordnung und privat hätten wir nichts zu klären. Er meinte dann: "Nein, dann nicht. Dann beobachte ich das weiter.".

Das hat mir Angst gemacht. Ich wollte mich aber nicht mehr von ihm zu Treffen drängen lassen, mit denen ich mich nicht wohl fühle. Ich habe dann als Kompromiss ein Telefonat vorgeschlagen. Das hat er auch abgelehnt und weiter auf ein Treffen gedrängt. Das habe ich dann abgelehnt und ihm mitgeteilt, dass er mir zu nahe kommt, mir das unangenehm ist und ich kein privates Treffen mehr will. Er solle es respektieren und mich nicht versuchen zu einem Treffen zu locken von wegen "du erfährst nur um was es geht wenn du kommst". Daraufhin habe ich auch geschrieben er solle mir nicht mehr antworten auf diese Nachricht, ich möchte keinen privaten Kontakt mehr.

Es war für mich dann erledigt. Er hat aber trotzdem, gegen meinen Wunsch, geantwortet. Er sagte er würde mir gleich alles erklären, er müsse sich erst sammeln. Es kam dann eine 10-Minuten Sprachnachricht, die mein Freund abhören musste. Allein seine Stimme zu hören hätte mich extremst angeekelt. In der Nachricht hat er dann wohl erklärt, dass er Gefühle für mich gehabt hätte, jetzt aber nicht mehr. Es war alles sehr wirr. 
Ich habe dann mit der Seelsorgerin der Firma gesprochen, ihr alles erzählt. Sie hat mir geraten ihn zu blocken (Whatsapp, Anrufe, Facebook) und ihm das auch mitzuteilen, dass er mir ab jetzt nur noch über die Dienstmail schreiben darf. Aufgrund von Corona sehen wir uns nächste Woche das erste Mal wieder, nachdem ich ihn blockiert habe.

Mir ist richtig übel weil ich Angst habe, was passiert. Auch wenn die Seelsorgerin und alle anderen, denen ich das erzählt habe, sagen, dass ich richtig gehandelt habe, habe ich Angst. Es ist für mich eine Situation, an der ich so nah dran bin, dass ich sie nicht mehr richtig einschätzen kann.

Ich wäre dankbar um eine Stellungnahme zu der ganzen Situation (habe ich übertrieben oder war das angebracht?), eigene Erfahrungen und Ratschläge, wie ich den ersten Kontakt irgendwie durchstehen kann.

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Du musst mit deinem vorgesetzen sprechen. Alles aufschreiben wie in einem Tagebuch. Am besten so wie du es uns geschildert hast. Schalte alle sozialen Profile auf privat. Blovkiete ihn. Dahre nie wieder mit ihm, nimm ihn auch nicht mit. Kein Schriftverkehr,  keine telefobate. Nichts. 

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11.05.21 um 12:38
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Du musst mit deinem vorgesetzen sprechen. Alles aufschreiben wie in einem Tagebuch. Am besten so wie du es uns geschildert hast. Schalte alle sozialen Profile auf privat. Blovkiete ihn. Dahre nie wieder mit ihm, nimm ihn auch nicht mit. Kein Schriftverkehr,  keine telefobate. Nichts. 

Di musst deinen Chef einschalten. Er muss das wissen. Er muss! Nur so kannst du geschützt werden und du brauchst Schutz. 

Dieser Mann ist verluebt und total in seinem Gedanken verfallen. Vielleicht ist er auch krank. Man weiß es nicht. Wir kennen nur deine Sicht. Sprich nie wieder mit ihm und geh zum chef

Hallo!

Danke für die Antwort. Ja, ist nur meine Sicht, das stimmt. Ich kann es mir selbst nicht erklären...die Seelsorgerin meinte aber auch, dass man romantisches Interesse und Freundlichkeit normalerweise schon auseinanderhalten kann bzw. können sollte und er dazu scheinbar nicht in der Lage ist.

Ich habe auch alles aufgeschrieben und bin bereit zu handeln, sobald er bei der Arbeit die Grenze erneut versucht zu übertreten...

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