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Berufliche Umorientierung - Nicht zu wissen, wohin mein Weg geht...

4. Oktober um 12:01 Letzte Antwort: 10. Oktober um 16:58

Hallo ihr Lieben,
ich schreibe jetzt einfach mal das nieder, was mich schon seit längerer Zeit beschäftigt und immer wieder von vorne beginnt.
Achtung, es könnte ein längerer Text entstehen!  

Ich habe Anfang 2017 meine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten erfolgreich absolviert. In meiner Ausbildung war ich hochmotiviert, habe meinen Job geliebt und bin fast jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Für mich war es auch okay, nicht so anspruchsvolle Arbeiten zu tätigen und/oder Überstunden zu absolvieren.
Ich wollte immer wieder Dinge dazulernen, meine Gier nach neuem Wissen war unstillbar. 
Bereits in meiner Ausbildung musste ich meine Ausbilderpraxis wechseln, da die Beziehung zu meinem damaligen Partner in die Brüche ging und ich somit dort nicht mehr leben konnte. Ich bin wieder in mein Elternhaus zurückgezogen. Ich muss dazu sagen, mein damaliger Freund hat mich sehr gepushed, er war in der Hinsicht schon ein bisschen wie der "Vater", weil er immer darauf bedacht war, dass ich gute Noten schreibe. Ich habe zu dieser Zeit jeden Tag normal gearbeitet und mich nach der Arbeit nochmal gut und gerne 1-3 Stunden hingesetzt und gelernt, was vollkommen in Ordnung für mich war.

Als ich in mein Elternhaus zurückgezogen bin, hat sich das schon irgendwo verändert, dieser Lernwille. Ich habe zwar auch gelernt und hatte mein Ziel vor Augen, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie es zuvor war. Ich weiß, letztendlich ist man selbst für sein Leben verantwortlich was man tut und wie man Ziele erreicht. Jedenfalls habe ich dann wie oben beschrieben Anfang 2017 meinen Abschluss gemacht. Bin dann noch ca. 3 Monate in der Praxis geblieben, in welcher ich gelernt hatte und war weiterhin hochmotiviert. Dann wollte ich eine neue Herausforderung und habe den Arbeitgeber gewechselt. Woraufhin noch ein paar Arbeitgeberwechsel stattfanden, da es immer wieder in den Arbeitsstellen Situationen gab, in welchen ich mich nicht wohlgefühlt habe und wo ich dann letztendlich nicht gerne hingegangen bin (u. a. Grüppchenbildung, viel hinten rum etc.)

Das kurz zu der Vorgeschichte. Bereits kurz nach der Ausbildung (nach ein paar Monaten) war mein Hochmut wie weggeblasen, aber ich habe trotzdem nach wie vor gerne in dem Beruf gearbeitet - nicht mehr so gerne wie zu der Zeit meiner Ausbildung.
Nun 3 Jahre später merke ich für  mich, dass ich diesen Beruf immer ungerner ausübe. Mir machen die Tätigkeiten keine Freude mehr, die Arbeitszeiten stressen mich (immer wieder auch sehr lange Tage), die Arbeitgeber sind oft nicht gerade fair und entgegenkommend, bzw. schätzen die Arbeit des einzelnen so überhaupt nicht, nicht mal ansatzweise (meine Erfahrung), unter den Kollegen herrscht eine reine Frauenwirtschaft, man hat sogut wie nur mit Frauen zutun, was soviel bedeutet wie Zickenkrieg, unbehagen, Lästereien, Neid etc. Was meiner Meinung nach das Betriebsklima sehr verpestet und diese Erfahrung habe ich leider nicht nur in einer Praxis erlebt. Und nicht zuletzt das doch meines Erachtens nach sehr niedrige Gehalt für die Arbeit, welche man leistet.

Momentan arbeite ich wieder in einer Arztpraxis, jedoch mit eher bürokratischem Aufgabenspektrum, als die Funktionsdiagnostik.

Ich interessiere mich seit längerer Zeit für die Arbeit am Computer, die kaufmännische, verwaltende, organisatorische Tätigkeit. Ich habe auch kein Problem mit Kunden zu arbeiten, jedoch wird meiner Ansicht nach das Patientenklientel immer anspruchsvoller und "schwieriger" im Laufe der Jahre, weshalb ich für mich seit längerem beschlossen habe, dass ich mich langfristig gesehen nicht mehr in einer Arztpraxis sehe.

Ich habe mir auch schon Alternativen überlegt. Aber umso länger ich überlege, so den richtigen "Traumjob" gibt es für mich gar nicht... Oder doch? Ich habe mich um ehrlich zu sein in der Vergangenheit nie mit verschiedenen Berufs(-gruppen) beschäftigt.

Was ich mir für mich überlegt habe: neue Ausbildung starten - was ich mir da für mich ins Auge gefasst hatte in Richtung Industriekauffrau, Kauffrau im Gesundheitswesen, Sozialversicherungsfachangestellte. Aber letztendlich weiß ich bei keinem der genannten Berufe, passen die wirklich zu mir? Ich bin einfach sehr unentschlossen. Was noch dazu kommt: ich arbeite jetzt seit ein paar Jahren und bin es gewohnt, mein Geld zu verdienen. Was in einer Ausbildung natürlich nicht annähernd vergleichbar ist und das ist für mich schon ein Grund dem Ganzen kritisch gegenüber zu stehen. Ebenso, dass ich auch wie oben nicht wirklich weiß, was zu mir passt. Ich möchte keine Ausbildung anfangen und dann feststellen, dass die gar nicht dem entspricht, was mir gefällt, was mich irgendwo erfüllt.

Die Alternative: mich in meinem Ausbildungsberuf weiterbilden. Ich habe immer gerne die Funktionsdiagnostik gemacht, aber irgendwo im Laufe der Jahre festgestellt, dass mich das nicht so wirklich erfüllt (siehe oben). Worauf ich gestoßen bin, was evlt. etwas sein könnte: Praxismanagement, Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. Jedoch stehe ich auch da nicht zu hundert Prozent dahinter. Ich weiß, es ist nicht einfach...
Aus dem einfachen Grund weil ich immer Arbeiter war. Ich hatte nie in irgendeiner Art und Weise etwas mit einer Leitungsposition zutun, zudem nicht das allergrößte Selbstbewusstsein. Was ich aber möchte: weiterkommen und natürlich mehr Geld verdienen. Ich zweifel hinsichtlich dessen einfach stark und weiß nicht so recht wo mein Weg hingehen kann/wo er mich hinführen wird...

Vielleicht hat ja der ein oder andere einen Tipp für mich? War möglicherweise in einer ähnlichen Lebenssituation? Beruflich gesehen bin ich einfach nicht glücklich und das jetzt schon seit Jahren. Es muss sich etwas ändern.

Ich hoffe, jemand hat den Text bis hierhier gelesen. Ich freue mich über regen Austausch.

LG 

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4. Oktober um 12:18

Edit: Meine aktuelle Tätigkeit beinhaltet mehr die Tätigkeit am Computer, als am Patienten/Menschen. Das ist hinsichtlich dessen, was ich gerne machen möchte, schon mehr in diese Richtung. Jedoch habe ich festgestellt, dass der "Druck" recht hoch ist. Ich arbeite zwar schon ein paar Jahre in dem Beruf, aber überall wird es doch anders gehandhabt. Zudem hatte ich zuvor mehr damit zutun gehabt am Patienten zu arbeiten/in der Funktionsdiagnostik und hier habe ich das Gefühl, so schnell wie möglich alles können zu müssen und so Situationen setzen mich extrem unter Druck. Auch ist es so, dass ich privat die ein oder andere Konfliktsituation habe/Dinge gibt, welche mich "bremsen". Auch die Situation (welche ich woanders auch schon hatte) dass viel zu wenig Mitarbeiter vorhanden sind (meine Sichtweise), man muss extrem viel auffangen und wenn dann noch jemand krank ist/Urlaub hat... Wie oben bereits geschrieben, habe ich nicht das größte Selbstbewusstsein, ich möchte aber daran arbeiten und bin auch dabei daran zu arbeiten.

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5. Oktober um 16:38

Wie wäre es denn damit noch ein Studium zu beginnen? So würdest du auf jeden Fall weiterkommen und langfristig deutlich mehr Geld verdienen. Du schreibst leider nicht, wie alt du bist, aber nach deiner Schilderung gehe ich davon aus, dass du Anfang 20 bist. In dem Alter sind, gerade an Fachhochschulen, viele Studenten. 

Ich habe selber nach der Schule eine Ausbildung gemacht, die mir nicht so recht gefallen hat. Abbrechen wollte ich sie nicht, weil ich nicht wusste, was ich stattdessen machen sollte. Also habe ich die Ausbildung beendet und habe damit gleichzeitig auch die Fachhochschulreife bekommen (ohne abgeschlossene Ausbildung hatte ich nur den schulischen Teil der Fachhochschulreife und hätte nicht studieren können). Tatsächlich bekam ich vom Ausbildungsbetrieb sogar einen unbefristeten Arbeitsvertrag und das im öffentlchen Dienst. Viele Freunde und Bekannte meinten, dass ich doch froh sein sollte, weil ich so einen sicheren Job mit geregelten Arbeitszeiten hatte. Mich hat der Job aber ziemlich frustriert. Die Arbeit erfolgte nach Schema F, es gab ohne weitere Fortbildung keine Aufstiegschancen, die Bezahlung war bescheiden und eigene Ideen waren nicht willkommen. Deswegen habe ich den Job gekündigt und noch studiert. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Heute - 6 Jahre nach dem Ende meines Studiums - verdiene ich brutto mehr als doppelt so viel wie in meinem Ausbildungsberuf und das obwohl ich nur "normale" Angestellte bin, also keine Personal- oder Bugdetverantwortung etc. habe. Außerdem sind meine Aufgaben abwechselungsreich und spannend. Ich kann eigene Ideen und Wünsche einbringen. 

Deswegen kann ich jedem nur empfehlen einen Neustart zu wagen, wenn man mit seinem Job unzufrieden ist. Das Leben ist zu kurz um es sich von einem blöden Job vermiesen zu lassen 

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10. Oktober um 16:58

Hey! 

Erstmal: es tut mir echt leid, dass du bereits ein unschönes Arbeitsklima erleben musstest. Es ist aber wirklich mutig und gut, dass du den Schritt gegangen bist, und dich umorientiert hast (bzw. es immernoch möchtest). 

Ich war in einer ähnlichen Situation (nur anderes Berufsfeld) und habe mich sehr nutzlos und verzweifelt gefühlt. Wo sollte es mit meinem Leben hingehen? 
Ich habe dann versucht, mich auf meine Stärken zu konzentrieren und zu schauen, welche Berufe das so hergeben. 
Ich habe mich dann vorerst für ein Praktikum entschieden, um zu schauen, ob mich der "neue" Beruf auch wirklich glücklich macht, und das nicht nur die ersten 4 Wochen. 
(Falls es wen interessiert, ich habe mein Praktikum bei DigitalMinds absolviert. Kannst dich ja mal umschauen, falls sowas für dich auch in Frage kommt: https://www.digital-minds.agency/online-marketing-praktikum/) 

Für mich war es absolut die richtige Entscheidung! Ich habe in der Zeit gemerkt, dass das Berufsfeld genau das richtige für mich ist, und konnte über die Praxiserfahrung aus dem Internet direkt einen neuen Job im selben Bereich ans Land ziehen. 

Lange Rede kurzer Sinn: Probier dich aus! Es gibt gute Mittel und Wege, die dich weiterbringen können. Auch Weiterbildungen können ein Klasse Sprungbrett sein! 

Ich drücke dir die Daumen und hoffe, dass du bald das richtige für dich findest! 

Beste Grüße

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