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Entscheidung für die Rückkehr gefallen, aber keine Geduld mehr…

26. Juni 2018 um 15:37

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Es wurde schnell klar, dass ich hätte mehr recherchieren müssen, über mein neues „Zuhause“. Ich hätte nie gedacht, dass Selbstverständlichkeiten (von zu Hause) einige hundert Kilometer weiter, Fremdwörter sind. Die Sauberkeit in Parks und Straßen, das Grüßen der Nachbarn, der Small-Talk beim Bäcker, die netten Unterhaltungen beim Gassi-Gehen. Alles von jetzt auf gleich ersatzlos gestrichen.
 
Die Straßen und Parks sind ungepflegte Müllkippen, von den Nachbarn wird man angeschnauzt oder ignoriert, beim Bäcker beschimpft, weil man die falsche Bezeichnung für Backwaren benutzt und die „Hundefreunde“ dieser Stadt sind nur die Freunde ihrer eigenen Hunde, die nach Möglichkeit bitte keine sozialen Kontakte zu anderen Hunden aufnehmen sollen, mit dessen Halter man sich wohlmöglich noch unterhalten soll. In dieser neuen Stadt verkauft man völlige Ignoranz gegenüber allem und jedem jedoch als Weltoffenheit.
 
Auch beruflich kam alles anders. Ein neues Studium? Mehr oder weniger unmöglich, da es auch als voll ausgebildete Fachkraft in der neuen Umgebung unmöglich ist, eine Teilzeitstelle über dem Mindestlohn zu bekommen. Nach etwas mehr als 200 Bewerbungen und drei Monaten habe ich dann den Traum vom Studium aufgegeben, meine Ersparnisse gingen dabei mehr oder weniger drauf, der Weg zurück zunächst finanziell nicht möglich. Aber ich wollte ja das Abenteuer, also habe ich mich nach einer Vollzeitstelle umgesehen. Mir war klar, dass ich im Vergleich zu vorher wahrscheinlich auf 10-20% meines Gehaltes verzichten müsste, aber was soll’s. Fünf Bewerbungen, drei Vorstellungsgespräche, zwei Jobangebote und zwei Wochen später ging es los im neuen Vollzeitjob – fast ohne Gehaltseinbußen…. Nochmal zusammengefasst: Gleiche Qualifikation, gleiche Tätigkeitsbeschreibung, gleiche Aufgabengebiete in Teilzeit zum Mindestlohn, in Vollzeit zum „Normallohn“… Soviel zum Teilzeit-und Befristungsgesetzt in meiner „neuen Heimat“. Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass ich „Zuhause“ eine Teilzeitstelle zu den „Normalkonditionen“ hatte und diese nur ein paar Wochen suchen musste.
 
Nach und nach beschäftigte ich mich dann doch noch mit den Zahlen und Fakten der neuen Heimat. Gerade im beruflichen Bereich (Personalerin). Die Arbeitslosenzahlen in der neuen Heimat sind fast viermal so hoch wie Zuhause, die Zahl der vom Amt unterstützten etwa die der Einwohner meiner Heimat (beides Großstädte in Deutschland). Die Arbeitsmoral sowohl bei Hilfs- als auch bei Fach- und Führungskräften in der neuen Heimat zum Fürchten. Sowas habe ich noch nie erlebt. Wenn viel zu tun ist, bin ich krank; Wenn ich keinen Urlaub bekomme, bin ich krank; Wenn ich Kollegen helfen soll, bin ich krank… Eigentlich bin ich immer krank, wenn mir was nicht passt – auch im Urlaub, man will ja keine Urlaubstage verschwenden. Und wenn ich dann mal anwesend bin – mehr als Dienst nach Vorschrift ist nicht drin. Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft, Motivation, Freude an der Arbeit? Fremdwörter. Ich wünschte, das wäre eine überspitzte Darstellung; leider war das jedoch bei etwa 75% der Arbeitnehmer meine (persönliche) Erfahrung.
 
Trotzdem, mein (zweiter) Job in der neuen Stadt ist super – zumindest inhaltlich und wegen meiner super Chefin, die als einzige in der Firma auch „Zugezogen“ ist. Gutes Gehalt, Firmenwagen, flexible Arbeitszeiten – fast schon zu perfekt.
 
Aber auch nach 3,5 Jahren in dem Super-Job und 4,5 Jahren in dieser Stadt, bin ich noch nicht angekommen. Ich habe keinen Anschluss gefunden. Bin meist alleine – bzw. mit meinem Hund unterwegs und habe kaum zwischenmenschliche Kontakte. In letzter Zeit telefoniere ich immer öfter und immer länger mit „meinen“ Menschen aus der Heimat und es ist klar – ich muss zurück.
 
Die Entscheidung ist gefallen. Leider ist es Zuhause der Wohnungsmarkt noch angespannter als er war, bevor ich ging. Die Wohnungen schier unbezahlbar. Und ohne Job will ich es diesmal nicht riskieren, wobei das im Verhältnis zur Wohnung das kleinere Problem ist – aber auf Grund der aktuellen Lage am Wohnungsmarkt. Ohne Job keine Wohnung. Also muss ein Job her.
 
Der Prozess läuft, ist jedoch schwierig, da ich keine 600 km pendeln kann. Wohnen auf Zeit käme für mich in Frage, jedoch schreckt die Vorbereitungszeit für den Umzug und die vermeintliche „Unsicherheit“, ob ich eine Wohnung finde und wann ich definitiv den Job beginnen könnte, potenzielle Arbeitgeber noch ab.
 
Was also tun? Hier alles hinwerfen, Sperrzeit überbrücken und erstmal Wohnung auf Zeit, da sonst die Anmietung einer Wohnung unmöglich ist? Dazu kommt noch, dass ich dann ggf. während der Probezeit auch noch Urlaub für meinen eigentlichen Umzug nehmen muss?
 
Ich habe schon einige Stärken, aber leider fehlt mir die Tugend „Geduld“, obwohl ich mir für diesen Schritt eigentlich 9 Monate Zeit gegeben habe (wg. Fairness zum alten Arbeitgeber, Einarbeitung von Kollegen und ich mach gerade eine Weiterbildung zu Ende, bei der die Prüfung in drei Monaten ansteht)… Das war vor einem Monat und ich bin schon am Durchdrehen…
 
Vielleicht habt ihr ja eine Meinung dazu. Oder sogar einen Rat, wie ich die „Wartezeit“ erträglicher gestalten kann???
 
Viele Grüße
 
GoingBack

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