Home / Forum / Job & Karriere / Erwarte ich von meinen Azubis zuviel?

Erwarte ich von meinen Azubis zuviel?

17. Oktober 2012 um 21:53

Ich bilde seit 1995 Bürokaufleute aus , die ersten Jahre hat es echt Spass gemacht, oder ich hatte einfach nur Glück. Ich habe jetzt eine Auszubildende im 3. Lehrjahr und einen im 1. Lehrjahr (noch in der Probezeit) und könnte verzweifeln . Wir sind ein relativ kleiner Betrieb (etwa 12 Mitarbeiter) und die Azubis lernen wirklich alle kaufmännischen Bereiche kennen. Meine Auzubildende im 3. Jahr müsste jetzt eigentlich selbstständig arbeiten können und auch mal kompliziertere Vorgaenge bearbeiten können, aber sie macht immer wieder dieselben Fehler, manche Sachen versteht sie einfach überhaupt nicht, so dass ich es aufgegeben habe. Sie ist selber auch nicht daran interessiert sich mehr Wissen anzueignen. Also setzte ich meine Hoffnung auf den neuen Azubi: Mein Gefühl sagt mir, dass er mehr drauf hat, als was er zurzeit zeigt. Er ist sehr langsam, hält sich stundenlang mit einer Aufgabe auf , ich muss ständig fragen, ob er es verstanden hat, weil ich ihm ansehe, dass er es nicht verstanden hat.

Es sind keine schweren Aufgaben, z.B Sage ich ihm, er möchte bitte die bezahlten Rechnungen Stempeln und in die Ablage legen, das Zahlungsprotokoll in die entsprechende Akte legen und dann in der EDV die Zahlungen verbuchen ( das ist ein Mausclick) und er hat es schon etliche Male gemacht. Was macht er? Stempelt die Rechnungen und legt alles in die Ablage mitsamt dem Protokoll was woanders hingehört, dass er die Zahlungen verbuchen soll hat er schon wieder vergessen...

Am nächsten Tag suche ich das Protokoll und frage ihn wo er es gelassen hat und er guckt mich an , als ob ich Spanisch rede. Welches Protokoll?

Wie gesagt, es sind nicht meine ersten Azubis, ich hatte vor Jahren eine Auszubildende, die bereits im ersten Jahr selbstständig gebucht hat, Monatsabschlüsse gemacht hat und im zweiten Jahr Lohn und Gehaltsabrechnnungen machen konnte, die hat heute einen guten Job in einer großen Firma und sagte mal zu mir, dass sie dies ihrer guten Ausbildung zu verdanken hat, weil sie eben bei uns alles gelernt hat.

Wie bekomme ich es nur in den Griff?

Mehr lesen

22. Oktober 2012 um 12:15

Das kann ich nur bestätigen
Ich bilde auch Azubis aus - in 2 Berufen aber im gleichen Berufsbereich

Wie du schon sagtest, entweder hat man Glück oder Pech.

Ich hatte einen Azubi mit dem hatte ich echt Glück. Er hat letztes Jahr im Sommer seine Ausbildung beendet und wurde auch übernommen.

Dann hatte ich im gleichen Lehrjahr noch 2 andere. Beide haben die Firma mittlerweile vorzeitig verlassen.
Die Einstellung war:
- ich bleibe keine 5 Minuten länger, auch wenn Not am Mann ist, ich bin ja Azubi
- Berufsschule ist dafür da, dass ich mir einen freien Tag gönnen kann
- wenn ich "niedere" Arbeit machen muss (z.B. Handtücher in der Toilette auffüllen) weigere ich mich
- ich möchte nicht zu früh anfangen müssen, denn ich schlafe lieber aus
- Arbeit an Samstag oder Sonntag ist blöd - da bin ich lieber krank (kann aber Samstagabend feiern gehen)
- wenn mir eine Arbeit nicht gefällt, stelle ich mich dumm in der Hoffnung, ich muss es nicht noch einmal machen.

Die Liste geht noch weiter, aber das erspare ich euch.

Warum die beiden nicht mehr bei uns arbeiten, könnt ihr euch ja sicherlich denken.

Die Azubis in den Jahren davor haben nie solche Probleme gemacht.


Ich finde es schade, wenn man als Betrieb ausbildet und sich als Ausbilder echt Mühe gibt und die Azubis das nicht zu schätzen wissen. Teilweise habe ich das Gefühl, dass denen das "Jammer-Gen" in die Wiege gelegt wurde. Denn mehr können manchen einfach nicht.

Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, meine Leute selber auszubilden und bei Eignung auch zu übernehmen, als mir jemanden von Extern zu holen. Da weis man nie was die so gelernt haben und was sie können. Bei meinen eigens ausgebildeten Azubis weis ich was ich habe.

Ich denke, dass nicht nur ihr (und ich) die Probleme habt, sondern auch ganz viele andere Betriebe und man kann wenig dagegen tun.

Viele Azubis haben auch kein Durchhaltevermögen - wenn was nicht passt, dann geht man eben oder motzt so lange, bis man die Arbeit nicht mehr machen muss.
Und das Symptom der heillosen Selbstüberschätzung kenne ich auch =)

Hatte mal einen Bewerber da (Schüler der gerade erst Abi gemacht hat) der mir erzählte, dass er jetzt schon weis, dass er die Ausbildung verkürzen wird um nach der Ausbildung die Geschäftsleitung (also mich) zu unterstützen. Leider vergas er, dass ich bereits 2 Assistenten habe und keinen mehr brauche, geschweige denn, dass er sich damit völlig ins Aus manövriert hat.

Ich denke, über seine Zeit als Ausbilder kann man Bücher mit füllen.
Teilweise sind es Geschichten, die echt zum Lachen sind und dann wiederum genauso viele die zum Weinen sind.

LG Sporty




Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

23. Oktober 2012 um 10:45

Ich lese
hier auch immer nur von Arbeitnehmern und den bösen Chefs, aber keiner sieht die andere Seite.
Oder es gibt hier einfach zu wenig Führungskräfte

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

24. Oktober 2012 um 13:10

Schade
aber man weis manchmal eben erst später wen man einstellt.

Ich finde es schade, wenn Mitarbeiter sich nicht bemühen. Gut man muss immer auch sie Gesamtsituation sehen. Habe ich einen Chef, der nichts dankt und nichts honoriert, hätte ich wahrscheinlich auch keine Lust mehr.

Versucht man aber ein guter Chef zu sein, wird das oftmals auch ausgenutzt

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen

Natural Deo

Teilen
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook

Das könnte dir auch gefallen