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Job weg - brauche dringend Rat

12. März 2017 um 12:43

Hallo liebe Forummitglieder

Ich versuche meinen Text so kurz wie möglich zu halten und bedanke mich vorab schon mal für's Lesen ... und wenn möglich für nen guten Tip, wie man sich aus so einer Misere wieder "herausmanövriert". Vielleicht ist sowas Ähnliches jemandem von euch auch schon mal passiert, und ihr könnt mir von euren Erfahrung berichten, resp. mir einen guten Tip zur "Schadensbegrenzung" geben ...

Also:

Ich bin Kauffrau und habe letzes Jahr im Oktober eine neue Stelle angetreten, nachdem ich vorher knapp 2 Jahre in einem anderen Unternehmen als Sachbearbeiterin tätig war. Mein Arbeitsweg war damals 60km entfernt, und da ich alleinerziehend bin, und auch ab und an Überstunden machen musste (also immer erst recht spät nach Hause kam), kam mir das Stellenangebot der neuen Firma (15min entfernt, mehr Lohn) natürlich sehr gelegen.

Oh mann, ich weiss gar nicht wie mir das alles passieren konnte ....

Na jedenfalls fing ich also dort neu an. Die anfängliche Begeisterung über diese tolle, neue Chance währte leider nicht lange. Sehr schnell musste ich merken, das meine Qualifikation überhaupt nicht zum neuen Stellenprofil passte. Beim letzten Arbeitgeber war ich "nur" für die Vertragserstellung zuständig - an der neuen Stelle war ich von der Auftragseröffnung, über die ganze Kostenkontrolle bis hin zum Abschluss verantwortlich. Alles Aufgabenbereiche, für welche beim lezten Unternehmen mehrere andere Schnittstellen zuständig waren. Das flösste mir ziemlichen Respekt ein, jedoch redete ich mir ein:

1. jetzt bist du schon hier und DAS sind jetzt eben neue Sachen die du lernen musst
2. die werden schon wissen wieso sie DICH eingestellt haben, wussten ja vorher über deinen fachlichen Background Bescheid

Ich habe beim Vorstellungsgespräch genau erklärt, was meine Aufgaben beim letzten Arbeitgeber waren, zudem stand es auch detailliert in meinem Lebenslauf.
Im Nachhinein könnte ich mir eine klatschen, dass ich so blauäugig war und keinen Stellenbeschrieb sehen wollte! Ich verliess mich auf so Floskeln wie: ach, das machen Sie schon! Doch, wir glauben SIE sind die richtige für diese Position. Das braucht halt seine Zeit ... etc.

Mein neues Team (bestehend aus 2 Mitarbeiterinnen) liess mich relativ schnell spüren wie "unfähig" ich war, sie beschwerten sich sogar bei meinem Vorgesetzten dass ich "ständig" frage. Ich tat wirlich mein Bestes, blieb freundlich, notierte mir alles, blieb über Mittag am Arbeitsplatz und machte mir Notizen, Kopien von Vorlagen, blieb auch abends lieber länger um möglichst "aufzuarbieten", was ich tagsüber nicht geschafft habe. Ich getraute mich irgendwann gar nicht mehr etwas zu fragen, sondern versuchte mir alle Infos und Arbeitsanleitungen irgendwie selber zusammenzusuchen. Das konnte auf Dauer nicht lange gut gehen, aber was blieb mir sonst übrig? Aufgeben? Kam nicht in Frage - schliesslich ist es Anfangs überlall schwierig ...

Es dauerte nicht lange und die beiden gingen dazu rüber, mich regelrecht zu ignorieren. Wenn ich nach etlichen Selbsthilfeversuchen nicht weiter kam und mit Bauchschmerzen nachfragen musste, bekam ich Antworten wie: das habe ich dir doch schon mal erklärt! Irgendwie war es denen total egal, dass eine Erklärung zu einem bestimmten Arbeitsschritt noch nicht zwingend dazu führte, dass man gleich die Zusammenhänge in dem ganzen Prozess verstand.

Sie redeten nur noch das Nötigste mit mir und schlossen mich gänzlich aus, wenn es z.B. darum ging, Kollegen zu fragen ob man zusammen Mittag macht oder sie nach Feierabend noch etwas zusammen trinken gehen wollen.

Mir war es inzwischen morgens vor lauter Angst schon richtig schlecht wenn ich ins Büro kam. Ich hatte regelrechte Panik zur Arbeit zu gehen. Das entging natürlich auch meinem Vorgesetzten nicht. Er ermahnte mich, ich müsse mich einfach mehr durchsetzen und mit denen klarkommen .. sonst würde es schwierig werden.

Ich rechnete zwar nicht damit, aber trotz der Schwierigkeiten, fachlich und mit den 2 Mitarbeiterinnen bestand ich die Probezeit. Das machte mir für kurze Zeit wieder Mut, dass die Anfangsphase hier einfach etwas schwieriger sei als sonst ...

Aber es wurde nicht besser, sondern kontinuierlich schlimmer. Nach 3 Monaten schwand dann meine Zuversicht endgültig dass ich das dort irgendwie packen könnte. Die Arbeit wurde immer mehr - und das Chaos in meinem Kopf stieg exponetiell dazu. Zudem herrschte inzwischen regelrechte Eiszeit zwischen mir und meinen 2 "Kolleginnen", was mir psychisch extrem zusetzte da ich grundsätzlich ein Mensch bin, welcher sehr um eine angenehme Arbeitsathmosphäre bemüht ist.

Ich habe 3 Monate erduldet, wie man mir eine solide Einarbeitung verweigerte, mir offensichtlich zu verstehen gab dass ich zu "doof" für den Job sei, und nicht erwünscht war. Ich versuchte es mit Freundlichkeit und erntete nur verspottende Blicke, dumme Bemerkungen und fiese Sticheleien. Details erspare ich an dieser Stelle ... war der reinste Kindergarten. Mein Umfeld riet mir dass ich mir schleunigst was Anderes suchen soll. Ich beschloss fürs kommende Wochenende mit der Ausschau nach einer passenderen Stelle für mich zu beginnen.

Und dann ging plötzlich alles sehr schnell.

Am 31. Januar wurde ich zu einem Gespräch gebeten. Man erklärte mir unter Bedauern, dass dies offensichtlich nicht der richtige Job für mich sei und die Teamkonstellation so nicht funktioniert. Irgendwie entlud sich der psychische Druck, welcher sich in den letzten Monaten bei mir aufgestaut hat, und mir kamen die Tränen. Ich fühlte mich schlagartig wie der letzte Idiot, gedemütigt, bloss gestellt, der Existenz beraubt. Ich war draussen.

So. Und nun stehe ich da. Mit einem zuletzt insgesamt 5 monatigen Arbeitsverhältnis in meinem Lebenslauf. Mein Zeugnis ist ein (sehr kurzer, und knapp formulierter!) Witz. Ich hätte "unter Anleitung gut gearbeitet". Auf gut Deutsch: sie war nicht im Stande etwas selbständig zustande zu bringen. Keine Ahnung, wo ich mich nach so einer Pleite, und mit solchen Unterlagen noch bewerben kann.

Da meine Zeugnisse vorher wirklich einwandfrei sind, auch was meine fachlichen Kenntnisse anbelangt, und ich meinen vorletzten Arbeitgeber (der, welcher 60km entfernt war) auch als Referenz angeben kann, überlege ich nun ernsthaft ob ich diesen Supergau aus meinem Lebenslauf streichen soll.

Ich habe inzwischen gut 20 Bewerbungen versendet, bis auf paar noch offene nur Absagen bekommen - im Vergleich dazu: bei der letzten Stellensuche hatte ich gerade mal 4 versendet, davon 2 Vorstellungsgespräche - und davon dann die eine Zusage von eben dieser Firma wo ich jetzt rausgeflogen bin.

5 Monate für so eine neue Ausgangssituation verschwendet. Soll ich das drinlassen, oder doch lieber rausnehmen? Aber was habe ich dann 5 Monate lang gemacht??

Bin gerade ziemlich am verzweifeln ....

Hat Jemand vielleicht einen guten Ratschlag? Bin für jeden Tip dankbar.

LG




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13. März 2017 um 18:49

Dauert die Probezeit normalerweise nicht 6 Monate? Ich denke: lieber ein Ende mit Grauen, als ein Grauen ohne Ende. Wenn du ehrlich bist, dann geht es dir ohne diese ständigen Demütigungen besser. Sei wieder selbstbewusst... Es hat eben nicht gepasst - das kommt eben auch mal vor. Lasse das Arbeitszeugnis einfach weg, aber nicht das Beschäftigungsverhältnis im Lebenslauf. Die nächste Stelle wird wieder besser sein.

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16. März 2017 um 10:28

Die Probezeit dauert maximal 6 Monate. Der AG kann aber auch eine kürzere Dauer festlegen.

"Dauer der ProbezeitNach § 622 Abs. 3 BGB kann die Probezeit maximal für die Dauer von sechs Monaten vereinbart werden. Eine Verlängerung dieser Dauer ist nicht möglich – selbst bei einer krankheitsbedingten Fehlzeit des Arbeitnehmers nicht." Quelle: https://www.afa-anwalt.de/arbeitsrecht-ratgeber/kuendigung/

Also ich hätte die Arbeit völlig aus meinem Lebenslauf gelöscht. Sind ja nur 5 Monate gewesen in denen du ja auch eine Auszeit für dein Kind hättest nehmen können. 
 

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17. März 2017 um 17:22

Hallo

vielen dank für eure Antworten ...

die probezeit betrug 1 monat

ich tendiere ja auch dazu dies komplett aus dem lebenslauf zu streichen,  es war für mich eine ziemlich traumatische erfahrung, fühle mich sonst schon schlecht genug deswegen, da brauche ich nicht noch schwarz auf weiss wie "unfähig" ich war!

wäre die arbeitswelt gerecht, wäre es so, dass ehemalige arbeitnehmer dem alten arbeitgeber auch ein zeugnis über SIE SELBST ausstellen könnte, um nachfolgende interessenten informieren zu können, wie man die zeit bei ihnen wahrgenommen hat ...

aber DAS wird vermutlich nie eingeführt!

Der arbeitnehmer ist immer der angelackte nach so einer erfahrung, und die firma kommt, egal wies war, IMMER gut weg ...

schade

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19. März 2017 um 11:09

Hallo zusammen,

​das hört sich ja übel an. Also das mit dem Arbeitszeugnis finde ich persönlich auch nicht so tragisch. Du hast eben kein Arbeitszeugnis gewollt. Wie sieht es aus mit Kündigungsschutz und Kündigungsristen, Restlohn, Resturlaub, Abfindung.. Hast Du alles überprüft ?

​Ansonsten ist das Einstellungssache: Du kennst Dich selbst und weisst was du kannst und was Du gemacht hast. Aber Du kennst nicht Deine neuen "Arbeitskollegen" und Deine neue Tätigkeit. Das bleibt immer ein Risiko, das man berücksichtigen muss.

​Man sollte wirklich versuchen, genau abzuklären was man bei der neuen Tätigkeit zu tun hat. Also z.B. Werden dort dieselben Programme benutzt etc und was ist, wenn man sich da einarbeiten muss. Will man das selbst usw. Geld und Entfernung sind auch wichtigt, aber andere Faktoren auch. Nimm das bloß nicht persönlich. Das halte ich für nicht richtig, weil die Jobs, Unternehmen und Mitabeiter einfach immer sehr unterschiedlich sind. Vieles was einfach und selbstverständlich dargestellt wird, ist es einfach nicht (z.B. Übersetzungen in die englische Sprache etc.) Man sollte manchmal einfach mal selbst darüber reflektieren, was man im Job so tut.

​Also Kopf hoch und Schwamm drüber.. eine Rückkehr zum alten Arbeitgeber kommt nicht in Betracht ?? Und denk an Deine Ansprüche..

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20. März 2017 um 8:54

Hallo hobbykoch

danke auch dir für dein aufbauendes Feedback! 

Klar sollte man sich anfangs immer Gedanken über die neuen Aufgaben machen, mir war teilweise auch bewusst, dass ich dort viel Neues zu lernen habe, aber ich freute mich auf die Herausforderung und schätzte die Möglichkeit zur fachlichen Weiterentwicklung.

Ich bin mir sicher: mit der nötigen Unterstützung wäre das auch kein Problem gewesen. Aber eben, in diesem Fall habe ich die Rechnung ohne meine neuen Mitarbeiterinnen gemacht.

Ich habe mich nun dazu entschlossen, diese Station in meuner Bewerbung aus dem Lebenslauf zu nehmen. Damit schiesse ich mir zwar eine fast halbjährige Lücke rein, was in der heutigen Arbeitswelt schon genug übel ist, aber eine "familliär bedingte Auszeit" erscheint mir immer noch vernünftiger, als so eine negative Bescheinigung des letzten Arbeitgebers.

Eine solche Erfahrung bietet ja (nachdem sie erstmal verdaut ist) auch immer die Chance auf einen Neuanfang.

Mal sehen welches Türchen sich als nächstes auftut und wohin die Reise geht ...

Wünsche dir einen guten Wochenstart ..

LG
 

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5. Juni 2017 um 15:22

Hallo,

hast Du schon mal über einen Nebenjob als Beraterin nachgedacht?

Ich bin PartyLite- Beraterin seit 13 Jahren und habe den Nebenjob zum Hauptberuf gemacht, und das schon über 12 Jahre.

Dort kannst du kreativ sein und kommst auch mit vielen Menschen zusammen, die beraten werden möchten. Ich sehe das ganze noch nicht einmal als Arbeit, weil es wirklich so viel Freude macht.

Kannst Dich ja mal unverbindlich melden unter info@kerzenanke.de

https://www.kerzenanke.de/berater.html

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