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Nicht teamfähig

4. Mai 2009 um 22:37

Hallo,

eigentlich klingt das blöd "nicht teamfähig", das klingt so, als hätte ich keine Lust im Team zu arbeiten, zuverlässig zu sein, hilfsbereit und vor allem fair.

All das bin ich. Es macht mir Spass zu helfen, ich fühl mich nützlich, wenn man was leisten kann, man kann sich auf mich verlassen und was Fairness angeht, so finde ich, geht es gar nicht ohne.

Mein Problem: Ich komme trotzdem nach einiger Zeit in keinem Team zurecht. Ich bin ganz schnell aussen vor, ausgegrenzt, abseits - obwohl ich so gerne mit dabei wäre. Darunter leide ich, weil ich gerne Teil eines grösseren Ganzen wäre. Ich erfahre Dinge ganz zuletzt, wenn überhaupt. Ich lästere nicht - obwohl das vielleicht ganz lustig wäre - aber ich kriege es nicht fertig. Ich kann mich nicht durchsetzen, habe eine Beisshemmung, und e gibt genügend Leute im Team, die kein Problem haben, das auszunutzen. Ich habe nie zu denen gehört, die zwischen Weihnachten und Neujahr Urlaub hatten. Früher habe ich Dinge, die mir nicht gefallen haben, in mich reingefressen und still vor mich hingelitten, bis ich nur noch Hass auf die entsprechenden Leute hatte, die sich nicht darum scherten, wie sie andere behandeln. Dann habe ich angefangen, die Dinge anzusprechen, die ich ungerecht finde, sachlich, ich wollte ja konstruktiv das Problem lösen und dachte, die anderen wollen das auch. Fazit war, dass die Situation dann sofort eskaliert ist und ich dann auch ausgerastet bin, wenn mich Leute angeschrien haben und abwertend behandelt haben. Danach haben sie es hinter meinem Rücken anderen erzählt und ich war bei denen dann auch unten durch.

Egal wo ich bin, es findet sich immer jemand, meistens nur eine Person oder zwei, die mich deutlich spüren lassen, dass sie mich nicht abkönnen. Der Rest schaut zu. Und ich fange dann an, regelrecht Angst vor den entsprechenden Leuten zu bekommen, kann Spannungen kaum ertragen und fürchte mich vor jedem neuen Arbeitstag und etwaigen Konflikten, aus denen ich keinen Ausweg finde. Gespräche haben nie was gebracht, weil es immer drauf hinauslief, dass alles so weiterläuft wie vorher, auch wenn das nicht in Ordnung war/ist, und irgendwann wollte ich nur noch weg.

Ich weiss, viele Leute sagen, dass eigentlich jeder einfach nur auf Arbeit zurechtkommen will und fair ist, weil er auch selbst fair behandelt werden will. Und dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, wenn man einfach darüber redet. Aber das habe ich anders erfahren: Wenn einer Schwäche zeigt, wird sie ausgenutzt, jeder Vorteil wird ergriffen, weil es immer härter wird, und wer nicht beissen kann, der kriegt am Ende die Prügel. Ich kann mich schwer abgrenzen, oftmals habe ich mir zu viel gefallen lassen, konnte mich nicht abgrenzen, wusste nicht wie, oder meine Grenzen wurden überrannt, ignoriert, mehrere Leute haben Druck gemacht bis ich nachgegeben habe. Manchmal habe ich meine Grenzen auch so heftig verteidigt, dass das zu Streit kam, in dem ich am Ende auch wieder unterlegen war, weil ich alleine dagestanden habe.

Vor einem Jahr hatte ich einen Zusammenbruch und habe gekündigt, weil ich absolut fertig war. Ich war völlig aufgerieben, bin in Therapie, in Reha. Ein Jahr habe ich gebraucht um mich aufzubauen, die Albträume wurden seltener, aber die Angst ist jetzt wieder da, wo ich mich wieder um Arbeit bemühe. Ich würde so gerne arbeiten, das gute Gefühl haben was nützliches zu tun, etwas zum gesellschaftlichen Nutzen beizutragen, aber meine bisherigen Erfahrungen waren immer die, dass ich Aussenseiterin bin, auch wenn ich nichts Schlechtes tue und eigentlich nur von meinen Kollegen als vollwertig respektiert werden. Mancher hat gesagt, ich nehme mir Dinge zu sehr an, aber leider gibt es keinen Schalter, den ich da umlegen kann.

Ich habe nicht Angst vor der Arbeit sondern vor den Kollegen. Und dass ich wieder abbreche. Ich möchte gerne Geld verdienen und endlich einen Platz in einer Gemeinschaft finden, aber wenn ich in den Annoncen lese: "teamfähig", da bekomme ich wieder Panik, richtige Angstzustände, weil ich bislang in jedem Team in irgendeiner Form abgesoffen bin. Ich weiss bis heute nicht, was für die anderen das Problem war, ich war hilfsbereit, fleissig, zuverlässig und leistungsstark. Aber irgendwie muss es mit mir zu tun haben, sonst würde sich das nicht seit 20 Jahren immer wieder aufs Neue zu wiederholen. Nur weiss ich nicht was ich ändern könnte ohne mich selbst zu vergewaltigen oder eine Maske aufzusetzen, die eine Lüge ist.

Sorry fürs Ausheulen. Aber ich hab hier die anderen Beiträge durchgelesen und konnte vieles so gut verstehen und hab auch einiges wiedererkannt....

Wasserfee

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13. Mai 2009 um 16:59

Mal schauen
hi du,
wie gehts dir? zu deinem Problem.
Ich bin auch immer zu nett. Leider. Im Arbeitsleben ist das nicht immer von Vorteil, glaub ich. Wie du schon sagtest, man zeigt schwäche. Hab schon öfter sowas erlebt.

Die andere Sichweise:
Ich habe da eine Kollegin, die hat mir noch nie etwas getan. Arbeitet fleißig, etc.....
Ich hasse sie und weiß eigentlich nicht warum! Ich versuche höflich zu bleiben aber das gelingt nicht immer:
* Sie stört mich in meiner Mittagspause, regelmäßig.
* Sie kommt mit der arbeit immer im letzen abdruck
* Sie kommt mir immer zu nahe (setzt sich neben mich und fummelt auf meinem Bildschirm umher - sie durchbricht meinen "Intimbereich" ich glaub so heißt das)
* sie nennt mich schatzilein
* aber nur wenn sie was von mir will
etc, etc.... ich könnte jetzt noch lange aufzählen.

Die hat mir nichts getan aber ich kann diese Frau absolut nicht ab.
Vielleicht gibt es so erste eindrücke die man falsch interpretiert hat?

glg martina


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7. März 2016 um 21:31

Teamfähigkeit
Servus,

wie ist es denn bei dir weitergegangen? Ich habe die selben Probleme, wahrscheinlich noch schlimmer.

Es geht darum, dass man sich in einer menschlichen Gruppe immer behaupten muss. Entweder muss man sich den Regeln unterordnen, oder sich eine Position verschaffen, wo man die Regeln manipulieren kann.

Die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind zufällig. Die müssen nicht gut sein, sondern können jederzeit schlecht sein.

Meiner Meinung nach beobachte ich viel Falschheit, List, Manipulation, Hinter-dem-Rücken-auf-die-eigene-Seite-ziehen.

Für mich sind die Menschen Viecher. Eat and be eaten. Das da draußen ist ein Haifischbecken. Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf.

Wichtig ist, dass man Selbstbehauptung erlernt. Dazu habe ich eine hervorragende Ressource gefunden: http://www.glimpse-of-life.de/?ddownload=6512

Bezeichnend dass diese Infos aus einem Skript zur Selbstverteidigung stehen.

Ich denke Mobbing ist eine Art Volkssport, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass man versuchen kann seine eigene Position in der Gruppe zu stärken, indem man auf Schwächeren rumhackt.

Ich muss sagen, dass ich nicht mehr bereit bin, mich überhaupt nochmal mobben zu lassen. Es gibt immer etwas, das man dagegen tun kann, auch wenn das sehr viel kosten kann.

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