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Prellbock zwischen Chef und Angestellten

4. Juli 2018 um 20:40

Hallo,
ich bin seit 2 Monaten Systemadministrator in einer sozialen Einrichtung. Bislang hat der Chef meine Aufgaben selbst gemacht,er hat nur nicht mehr die Zeit dafür.  Er ist selbst im Laufe der Jahre mit der Anlage "gewachsen",obwohl er eigentlich Quereinsteiger ist. D.h. ein Teil der IT ist fachlich ganz gut gelöst, bei anderen Teilen wunderts einen, dass das überhaupt noch funktioniert. Anfangs habe ich da noch Verbesserungsvorschläge gebracht, die er sich zwar anhört, aber trotzdem keine davon wirklich in die Praxis umsetzt.
Auch die von den Angestellten benutzten Programme sind für mich weitestgehend tabu. Ich habe zwar für fast alle Logins, aber soll und darf eigentlich nichts wirklich damit machen.  Wenn mich also ein User fragt, wo er Funktion X findet, muss ich meist passen, weil ichs selbst nicht weiß. Sowas lernt man halt nur,wenn man die Programme selbst nutzt, was ich ja nicht soll.

Was mich wirklich wurmt, ist der Umstand,dass der Chef letztendlich doch in vielen Bereichen (etwa der Vergabe von Benutzerrechten) das letzte Wort haben will und -was noch schlimmer ist- weiterhin ständig am System rumwerkelt, natürlich ohne mich zu informieren.

Gleichzeitig propagiert er den Usern,daß sie bei Problemen erst mich fragen sollen, was damit endet, daß ich sehr viele Sachen, die ich zwar fachlich könnte, trotzdem an ihn weiterleiten muss. Das wirkt nach außen hin wie"Der kann ja gar nix selber!", was auch bei den Usern nicht gut ankommt. Denen teile ich das zwar mit, dass ich diese oder jene Aufgabe erst an den Chef weitergeben muss, weil das außerhalb meiner Entscheidungsgewalt liegt, aber das stört sie nicht, sich bei ihm über meine (!) Langsamkeit zu beschweren,obwohl ich damit gar nichts mehr zu tun habe. Unnötig zu erwähnen, daß er den Usern nicht sagt, dass ER derjenige ist, der nicht hinterherkommt.
Entscheide ich dann doch mal kurzfristig was alleine, gibts jedesmal Zoff deswegen.

Im Grunde fühle ich mich also wie eine Art Prellbock zwischen Usern, die Probleme melden, die ich nicht lösen darf und einem Chef, der trotz eigens angestelltem Admin doch alles weiter im Griff behalten will.  Heißt im Endeffekt, meine Arbeit im Grunde momentan in erster Linie aus simplen Sachen wie der Einrichtung von Druckern, der Instandsetzung nicht funktionierender Telefone usw besteht. Das ist auch nicht gerade erfüllend.

Im Privatleben würde ich bei so einem Kuddelmuddel wohl sagen "Entscheide dich erstmal, welche Aufgaben du nun deligieren willst und welche du weiter selbst machen willst!", aber das kann ich mitten in der Problezeit natürlich so nicht anbringen.

Was würdet ihr in meiner Situation machen ? Die Augen nach einem anderen Job offenhalten ?  Momentan ist mein Vertrag bis Ende April nächsten Jahres befristet. Es gibt zwar eine Verlängerungsoption, aber ich zweifle,ob die greift, wenn das so weitergeht wie bisher.  Von beiden Seiten.

 

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8. Juli 2018 um 0:55

Er ist der Chef des ganzen Kreisverbandes  und mein direkter Vorgesetzter.
 

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8. Juli 2018 um 20:57

Momentan plane ich eh, mich ins Ausland abzusetzen (der Papierkram dazu läuft bereits seit längerem, aber der Zeitpunkt,wann ich weg kann, ist noch offen). Insofern sehe ich den Job momentan sowieso nur als Übergangslösung mit einem bestimmten Endzeitpunkt. D.h. ich rechne nicht damit, dass ich länger als bis zum Ende der derzeitigen Befristung da sein werde.

Daß ich nicht gleich wieder die Segel gestrichen habe (zumal Gehalt und Arbeitsweg unterirdisch sind), hat aber noch einen anderen -wenn auch ziemlich egoistisch anmutenden-  Grund: Die Firma will mir dieses Jahr noch 3 ziemlich teure Zertifizierungen zahlen, die sich für meinen weiteren beruflichen Lebensweg sicher nicht negativ auswirken werden. Und das lässt einen über so manche Unzulänglichkeit im täglichen Arbeitsablauf hinwegsehen.

Wovor ich allerdings auch echt Angst habe: in meiner letzten Firma habe ich ebenfalls im technischen Support gearbeitet und habe  dort eine mittelgradige Depression + posttraumatische Belastungsstörung davongetragen, die lediglich mit Medikamenten und viel Ruhe  "behandelt" wurden (ich war fast 4 Monate krankgeschrieben).  Den aktuellen Job habe ich eigentlich nur deswegen angenommen, weil ich merkte,das mir das nicht wirklich half und mir daheim die Decke auf den Kopf fiel. Und weil ich die Chance sah, das gelernte wirklich mal in der Praxis umzusetzen.  Im Grunde ist mein aktueller Job also eine Gratwanderung zwischen dem, was mir interessensmäßig Spaß macht, dem was künftig im Lebenslauf gut aussieht und dem Risiko, erneut zu erkranken. 




 

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9. Juli 2018 um 10:58
In Antwort auf werniman

Momentan plane ich eh, mich ins Ausland abzusetzen (der Papierkram dazu läuft bereits seit längerem, aber der Zeitpunkt,wann ich weg kann, ist noch offen). Insofern sehe ich den Job momentan sowieso nur als Übergangslösung mit einem bestimmten Endzeitpunkt. D.h. ich rechne nicht damit, dass ich länger als bis zum Ende der derzeitigen Befristung da sein werde.

Daß ich nicht gleich wieder die Segel gestrichen habe (zumal Gehalt und Arbeitsweg unterirdisch sind), hat aber noch einen anderen -wenn auch ziemlich egoistisch anmutenden-  Grund: Die Firma will mir dieses Jahr noch 3 ziemlich teure Zertifizierungen zahlen, die sich für meinen weiteren beruflichen Lebensweg sicher nicht negativ auswirken werden. Und das lässt einen über so manche Unzulänglichkeit im täglichen Arbeitsablauf hinwegsehen.

Wovor ich allerdings auch echt Angst habe: in meiner letzten Firma habe ich ebenfalls im technischen Support gearbeitet und habe  dort eine mittelgradige Depression + posttraumatische Belastungsstörung davongetragen, die lediglich mit Medikamenten und viel Ruhe  "behandelt" wurden (ich war fast 4 Monate krankgeschrieben).  Den aktuellen Job habe ich eigentlich nur deswegen angenommen, weil ich merkte,das mir das nicht wirklich half und mir daheim die Decke auf den Kopf fiel. Und weil ich die Chance sah, das gelernte wirklich mal in der Praxis umzusetzen.  Im Grunde ist mein aktueller Job also eine Gratwanderung zwischen dem, was mir interessensmäßig Spaß macht, dem was künftig im Lebenslauf gut aussieht und dem Risiko, erneut zu erkranken. 




 

oha.

1. In den 4 Monaten Behandlung müsste Dir doch jemand (eigentlich mehr als einmal) erklärt haben, wie Du eine Wiederholung verhindern kannst - also nicht, indem Du kzH bist, sondern mit einem normalen Job?
Wenn es Dir keiner im Rahmen einer Therapie erklärt hat - warum hast Du Dich nicht selbst darum gekümmert?

2. das Gehalt ist ja dann ganz sicher nicht "unterirdisch", wenn Du die Zertifizierungen bekommst, denn die sind ein dicker Batzen Geld.

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18. Juli 2018 um 8:07

Die Depression+PTBS wurde wurde von einer Psychiaterin diagnostiziert, bei der ich eigentlich wegen langanhaltener Kopfschmerzen war (sie ist auch Neurologin). Und zur Untersuchung gehörte auch die Frage nach dem persönlichen Umfeld (z.B. ob man viel Stress hat usw). Ich bin quasi von einem Fachbereich zum anderen gewechselt. Leider war ihre Behandlung miserabel...ich bekam Sertralin und Opipram verordnet, die mir aber nicht wirklich halfen. Bei den nächsten Besuchen wurde ich direkt schon im Vorzimmer abgefertigt und einfach weiter krankgeschrieben.  Natürlich habe ich versucht, einen Termin bei einem anderen Psychologen bekommen, aber da wäre der nächste freie Termin im Januar 2019 (!) gewesen. So lange wollte ich keinesfalls warten. Da ich aber merkte, dass es mir daheim besser ging (d.h. da ich ja Abstand zu meinem damaligen Job bekam), hatte ich die Wahl: den alten Job kündigen und mir was Neues suchen oder mich weiter krankschreiben lassen, bis ich nen Termin bei einem Psychologen habe, der mir hoffentlich helfen kann. 
Ja, ich wandere aus. Der genaue Zeitpunkt ist noch unklar, das hängt davon ab, wie schnell die dortigen Behörden bei der Bearbeitung der nötigen Papiere arbeiten (Antrag liegt seit April 2018 dort). Allerdings wandere ich nicht mal eben ins Unbekannte aus,sondern meine Frau lebt schon seit 3 Jahren am Zielort. D.h. ich habe schon eine gewisse "Homebase" dort.
 

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18. Juli 2018 um 8:30
In Antwort auf Werni0606

Die Depression+PTBS wurde wurde von einer Psychiaterin diagnostiziert, bei der ich eigentlich wegen langanhaltener Kopfschmerzen war (sie ist auch Neurologin). Und zur Untersuchung gehörte auch die Frage nach dem persönlichen Umfeld (z.B. ob man viel Stress hat usw). Ich bin quasi von einem Fachbereich zum anderen gewechselt. Leider war ihre Behandlung miserabel...ich bekam Sertralin und Opipram verordnet, die mir aber nicht wirklich halfen. Bei den nächsten Besuchen wurde ich direkt schon im Vorzimmer abgefertigt und einfach weiter krankgeschrieben.  Natürlich habe ich versucht, einen Termin bei einem anderen Psychologen bekommen, aber da wäre der nächste freie Termin im Januar 2019 (!) gewesen. So lange wollte ich keinesfalls warten. Da ich aber merkte, dass es mir daheim besser ging (d.h. da ich ja Abstand zu meinem damaligen Job bekam), hatte ich die Wahl: den alten Job kündigen und mir was Neues suchen oder mich weiter krankschreiben lassen, bis ich nen Termin bei einem Psychologen habe, der mir hoffentlich helfen kann. 
Ja, ich wandere aus. Der genaue Zeitpunkt ist noch unklar, das hängt davon ab, wie schnell die dortigen Behörden bei der Bearbeitung der nötigen Papiere arbeiten (Antrag liegt seit April 2018 dort). Allerdings wandere ich nicht mal eben ins Unbekannte aus,sondern meine Frau lebt schon seit 3 Jahren am Zielort. D.h. ich habe schon eine gewisse "Homebase" dort.
 

es gibt immer mehr als einen Psychologen - und andere Möglichkeiten, sich zu informieren.

Wenn Du schon so eine Diagnose hast, dann rate ich Dir dringend, Dich damit auseinander zu setzen, damit sich das nicht wiederholt.

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