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Unsicher in der Berufswahl

22. Juni um 3:13 Letzte Antwort: 6. Juli um 9:43

Hallo ihr Lieben,

ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben, da ich in meinem Umfeld niemanden habe, mit dem ich wirklich über meine Ängste reden kann.

Ich habe 2018 mein allgemeines Fachabitur gemacht, das alles kam recht überraschend und war auch ursprünglich nicht geplant. Dementsprechend hatte ich beruflich noch gar keine Richtung, in welche ich gehen wollte - ich hatte lediglich den Hintergedanken, dass etwas in die Richtung Medizin interessant wäre. Im Frühjahr 2019 habe ich mich dann einigermaßen Notgedrungen dafür entschieden, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen - mit dem Hintergedanken, vielleicht einen Beruf für mich zu entdecken und auch den 8-Stunden Arbeitsalltag kennenzulernen. Damals hatte ich mich einmal für ein FSJ in einer Wohngruppe und einmal für ein FSJ in einem Altenheim beworben. Letztendlich habe ich vom Altenheim die schnellere (und einzige) Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen und letztendlich auch zugesagt. Ich konnte zwischen der Betreuung und der Pflege wählen und habe mich quasi direkt für die Betreuung entschieden und die Pflege komplett ausgeschlossen.

Nach einigen Tagen Probearbeiten habe ich kurz daraufhin offiziell angefangen und hatte die erste Zeit wirklich viel Spaß daran. Leider wurde es mit der Zeit immer eintöniger und als ich dann letztendlich so geübt in den Abläufen war, wurde ich teilweise 4 Stunden pro Tag als alleinige Betreuerin eingesetzt. Meine Aufgaben waren vor allem Spiele spielen, Getränke austeilen und allgemein ein Auge auf jeden zu haben.

Gegen Ende 2019 hatte ich einige Gespräche mit einem Kollegen aus der Pflege, welcher mich unbedingt dazu ermutigen wollte, es vielleicht nicht doch einmal im Pflegebereich zu probieren. Da mein Arbeitsalltag sowieso recht eintönig war, stimmte ich dem zu und fing zwei Wochen später in dem Bereich an.
Ab hier beginnt Quasi mein Problem.

Anfangs hat mir die Arbeit total Spaß gemacht und ich habe sehr schnell sehr viel gelernt. Seitens meiner Kollegen u. Chefin wurde ich nur noch gelobt und sprang nach kurzer Zeit sogar an manchen freien Tagen/Wochenenden ein, wenn Hilfe benötigt wurde. Ich war mir zu 100% sicher, dass ich zumindest im Bereich der Pflege in Zukunft arbeiten möchte und als mich o.g. Kollege darauf aufmerksam machte, dass ab 2020 die generalistische Ausbildung in Kraft tritt - mit dieser Ausbildung erlernt man die drei Berufe Altenpfleger, Kinderpfleger und Krankenpfleger zusammen - habe ich nicht lange gefackelt und mich sofort beworben. Ich hatte aufgrund meines Schulabschlusses zwei Wochen später ein Vorstellungsgespräch und drei Tage später die Zusage für den Ausbildungsplatz.

Daraufhin habe ich noch etwa 3 Monate in der Pflege gearbeitet, bis mein FSJ zuende war - mit einem sehr guten Zeugnis.
Ich habe mich dann erst einmal für eine kurze Auszeit entschieden und fange in den nächsten Wochen als ungelernte Hilfskraft mit einer 75% Stelle wieder an.

In den letzten 3 Monaten meines FSJ hat sich leider mehr und mehr herauskristallisiert, dass mir die Pflege zwar Spaß macht, die Altenpflege speziell allerdings nicht. Es waren immer die selben Routinen und Bewohner, welche ich egal ob auf der Früh-/Spätschicht versorgt habe, sodass auch hier alles recht eintönig wurde. Nach einigen Gesprächen mit einer sehr guten Freundin, welche als Krankenschwester arbeitet, tendiere ich auch eher dazu, den Berufsweg der Krankenpflegerin einzuschlagen. Das ist zwar mit meiner Ausbildung kein Problem, allerdings mit meinem Betrieb.

Aufgrund meiner sehr guten Leistungen setzt sich meine Chefin sehr stark dafür ein, dass ich meine Ausbildung in ihrem Betrieb beginnen kann (Hintergrund: die Berufsschule regelt aufgrund der neuen Ausbildung, welcher Azubi in welchen Betrieb kommt. Eine Antwort kriege ich frühestens im August). Weder sie, noch meine Kollegen wissen von meiner Berufswahl und sind der Meinung, ich würde definitiv in der Altenpflege bleiben.
Dadurch, dass ich jetzt bald als Hilfskraft wieder einsteige, werden mir mehr Aufgaben als zuvor übertragen. Leider graut es mir schon regelrecht wieder davor, in den selben Routinemäßigen Alltag zu verfallen, auch wenn es nur ein paar Monate sind.

Mein Gewissen macht die ganze Sache leider nicht leichter, da ich meinen Kollegen sowie meiner Chefin etwas vorspiele, obwohl ich gerne ehrlich wäre.

Ich weiß auch gar nicht, ob mir hier jemand helfen kann, aber ich musste mir mal die ganze Sache von der Seele schreiben.

Danke

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22. Juni um 4:42
In Antwort auf ayumni

Hallo ihr Lieben,

ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben, da ich in meinem Umfeld niemanden habe, mit dem ich wirklich über meine Ängste reden kann.

Ich habe 2018 mein allgemeines Fachabitur gemacht, das alles kam recht überraschend und war auch ursprünglich nicht geplant. Dementsprechend hatte ich beruflich noch gar keine Richtung, in welche ich gehen wollte - ich hatte lediglich den Hintergedanken, dass etwas in die Richtung Medizin interessant wäre. Im Frühjahr 2019 habe ich mich dann einigermaßen Notgedrungen dafür entschieden, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen - mit dem Hintergedanken, vielleicht einen Beruf für mich zu entdecken und auch den 8-Stunden Arbeitsalltag kennenzulernen. Damals hatte ich mich einmal für ein FSJ in einer Wohngruppe und einmal für ein FSJ in einem Altenheim beworben. Letztendlich habe ich vom Altenheim die schnellere (und einzige) Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen und letztendlich auch zugesagt. Ich konnte zwischen der Betreuung und der Pflege wählen und habe mich quasi direkt für die Betreuung entschieden und die Pflege komplett ausgeschlossen.

Nach einigen Tagen Probearbeiten habe ich kurz daraufhin offiziell angefangen und hatte die erste Zeit wirklich viel Spaß daran. Leider wurde es mit der Zeit immer eintöniger und als ich dann letztendlich so geübt in den Abläufen war, wurde ich teilweise 4 Stunden pro Tag als alleinige Betreuerin eingesetzt. Meine Aufgaben waren vor allem Spiele spielen, Getränke austeilen und allgemein ein Auge auf jeden zu haben.

Gegen Ende 2019 hatte ich einige Gespräche mit einem Kollegen aus der Pflege, welcher mich unbedingt dazu ermutigen wollte, es vielleicht nicht doch einmal im Pflegebereich zu probieren. Da mein Arbeitsalltag sowieso recht eintönig war, stimmte ich dem zu und fing zwei Wochen später in dem Bereich an.
Ab hier beginnt Quasi mein Problem.

Anfangs hat mir die Arbeit total Spaß gemacht und ich habe sehr schnell sehr viel gelernt. Seitens meiner Kollegen u. Chefin wurde ich nur noch gelobt und sprang nach kurzer Zeit sogar an manchen freien Tagen/Wochenenden ein, wenn Hilfe benötigt wurde. Ich war mir zu 100% sicher, dass ich zumindest im Bereich der Pflege in Zukunft arbeiten möchte und als mich o.g. Kollege darauf aufmerksam machte, dass ab 2020 die generalistische Ausbildung in Kraft tritt - mit dieser Ausbildung erlernt man die drei Berufe Altenpfleger, Kinderpfleger und Krankenpfleger zusammen - habe ich nicht lange gefackelt und mich sofort beworben. Ich hatte aufgrund meines Schulabschlusses zwei Wochen später ein Vorstellungsgespräch und drei Tage später die Zusage für den Ausbildungsplatz.

Daraufhin habe ich noch etwa 3 Monate in der Pflege gearbeitet, bis mein FSJ zuende war - mit einem sehr guten Zeugnis.
Ich habe mich dann erst einmal für eine kurze Auszeit entschieden und fange in den nächsten Wochen als ungelernte Hilfskraft mit einer 75% Stelle wieder an.

In den letzten 3 Monaten meines FSJ hat sich leider mehr und mehr herauskristallisiert, dass mir die Pflege zwar Spaß macht, die Altenpflege speziell allerdings nicht. Es waren immer die selben Routinen und Bewohner, welche ich egal ob auf der Früh-/Spätschicht versorgt habe, sodass auch hier alles recht eintönig wurde. Nach einigen Gesprächen mit einer sehr guten Freundin, welche als Krankenschwester arbeitet, tendiere ich auch eher dazu, den Berufsweg der Krankenpflegerin einzuschlagen. Das ist zwar mit meiner Ausbildung kein Problem, allerdings mit meinem Betrieb.

Aufgrund meiner sehr guten Leistungen setzt sich meine Chefin sehr stark dafür ein, dass ich meine Ausbildung in ihrem Betrieb beginnen kann (Hintergrund: die Berufsschule regelt aufgrund der neuen Ausbildung, welcher Azubi in welchen Betrieb kommt. Eine Antwort kriege ich frühestens im August). Weder sie, noch meine Kollegen wissen von meiner Berufswahl und sind der Meinung, ich würde definitiv in der Altenpflege bleiben.
Dadurch, dass ich jetzt bald als Hilfskraft wieder einsteige, werden mir mehr Aufgaben als zuvor übertragen. Leider graut es mir schon regelrecht wieder davor, in den selben Routinemäßigen Alltag zu verfallen, auch wenn es nur ein paar Monate sind.

Mein Gewissen macht die ganze Sache leider nicht leichter, da ich meinen Kollegen sowie meiner Chefin etwas vorspiele, obwohl ich gerne ehrlich wäre.

Ich weiß auch gar nicht, ob mir hier jemand helfen kann, aber ich musste mir mal die ganze Sache von der Seele schreiben.

Danke

Dann fang an endlich ehrlich zu sein. Übrigens gibt es in jedem Job Routine. Auch als Krankenpflegerin

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22. Juni um 9:09

erst einmal: es gibt eigentlich keinen Beruf ohne Routineaufgaben.

zum zweiten: Du merkst schon, dass Du Dich selbst in Situationen bringst, die Dich stören?
Kollegen und Vorgesetzte suchen extra das Gespräch mit Dir. Fragen nach Deinen Zielen, Deinen Wünschen, wollen gemeinsam mit Dir Deine Zukunft gestalten - und Du blockst ab? Warum? Willst Du Dein Leben lang jedes Jahr den Job wechseln?!?
Sei endlich ehrlich. Sprich an, was Deine Probleme und Deine Wünsche sind und lerne, gemeinsam mit den anderen nach Lösungen zu suchen, statt immer weiter weg zu laufen.

Gerade jetzt hast Du Dich sowieso schon entschieden, von dieser Stelle weg zu gehen, Dir kann also gar nichts mehr passieren. Nutze die Chance, um etwas wichtiges zu lernen, was genau solche Situationen in Deiner Zukunft zu vermeiden hilft.

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22. Juni um 10:32
In Antwort auf avarrassterne3

erst einmal: es gibt eigentlich keinen Beruf ohne Routineaufgaben.

zum zweiten: Du merkst schon, dass Du Dich selbst in Situationen bringst, die Dich stören?
Kollegen und Vorgesetzte suchen extra das Gespräch mit Dir. Fragen nach Deinen Zielen, Deinen Wünschen, wollen gemeinsam mit Dir Deine Zukunft gestalten - und Du blockst ab? Warum? Willst Du Dein Leben lang jedes Jahr den Job wechseln?!?
Sei endlich ehrlich. Sprich an, was Deine Probleme und Deine Wünsche sind und lerne, gemeinsam mit den anderen nach Lösungen zu suchen, statt immer weiter weg zu laufen.

Gerade jetzt hast Du Dich sowieso schon entschieden, von dieser Stelle weg zu gehen, Dir kann also gar nichts mehr passieren. Nutze die Chance, um etwas wichtiges zu lernen, was genau solche Situationen in Deiner Zukunft zu vermeiden hilft.

Zum entgültigen Entschluss, dass ich nach meiner Ausbildung nicht in der Altenpflege tätig sein will, bin ich erst gekommen, als ich mein FSJ abgeschlossen hatte. Um aber überhaupt den Beruf Krankenpfleger zu erlernen, MUSS ich auch parallel in die Altenpflege sowie Kinderkrankenpflege. Ich erlernen ja 3 Berufe auf einmal. 
​Mein Problem ist nunmal, dass ich in der Ausbildung in der Altenpflege starten werde und da diese meine Hauptausbildungsstelle ist, habe ich Angst, dass meine Entscheidung negativ auf mich zurückfallen kann - hauptsächlich seitens der Kollegen.

Dass jeder Job eine gewisse Routine hat, ist mir ebenfalls bewusst. Das war auch nicht der ausschlaggebende Grund, wieso ich mich so entschieden habe. 

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22. Juni um 11:37
In Antwort auf ayumni

Zum entgültigen Entschluss, dass ich nach meiner Ausbildung nicht in der Altenpflege tätig sein will, bin ich erst gekommen, als ich mein FSJ abgeschlossen hatte. Um aber überhaupt den Beruf Krankenpfleger zu erlernen, MUSS ich auch parallel in die Altenpflege sowie Kinderkrankenpflege. Ich erlernen ja 3 Berufe auf einmal. 
​Mein Problem ist nunmal, dass ich in der Ausbildung in der Altenpflege starten werde und da diese meine Hauptausbildungsstelle ist, habe ich Angst, dass meine Entscheidung negativ auf mich zurückfallen kann - hauptsächlich seitens der Kollegen.

Dass jeder Job eine gewisse Routine hat, ist mir ebenfalls bewusst. Das war auch nicht der ausschlaggebende Grund, wieso ich mich so entschieden habe. 

um so wichtiger, dass Du ehrlich bist.
Sie bekommen ja so oder so mit, dass Du dann auf Krankenpflege statt Altenpflege gehst. Besser sie hören es von Dir im Vorfeld!

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27. Juni um 15:50

Also zum einen denke ich, dass es in der Pflege natürlich auch Tätigkeitsfelder gibt, die abwechslungsreicher und eintöniger sind. In Heimen oder ambulanten Pflegediensten kann man sich vielleicht durch Springertätigkeit mehr Abwechslung verschaffen.

Die Tätigkeit des Pflegens ist natürlich immer dieselbe. Aber in Kliniken hat man wechselndes Klientel, so dass man immer neue Leute kennenlernt, was den Spaß an der Arbeit ausmachen kann.

Dein tatsächliches Problem ist dein schlechtes Gewissen. Und dass es schwer ist, die Leute, die gut zu dir waren, zu enttäuschen.
Aber wenn es dich nicht glücklich macht dort quasi die Ausbildung zu machen, dann solltest du das nicht tun.

Bitte um ein Gespräch. Dann erkläre, dass dir klar geworden ist, dass du das so nicht willst.
Dass du dich für die Krankenpflege entschieden hast. Und dass es dir leid tut.
Noch passiert nichts schlimmeres, als dass du ihre Hoffnungen zerstörst.
Aber nach der Ausbildung hoffen sie ja weiter, dass du bis zur Rente fröhlich bei ihnen arbeiten wirst. Irgendwann kommt der Cut, und du musst ehrlich sein, wenn du nicht dauerhaft unglücklich sein willst.
Dan denke ich mir: Lieber früher, als zu spät.

Tu das, was dich glücklich macht!

Alles Gute für die Ausbildung!

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6. Juli um 9:43
In Antwort auf ayumni

Zum entgültigen Entschluss, dass ich nach meiner Ausbildung nicht in der Altenpflege tätig sein will, bin ich erst gekommen, als ich mein FSJ abgeschlossen hatte. Um aber überhaupt den Beruf Krankenpfleger zu erlernen, MUSS ich auch parallel in die Altenpflege sowie Kinderkrankenpflege. Ich erlernen ja 3 Berufe auf einmal. 
​Mein Problem ist nunmal, dass ich in der Ausbildung in der Altenpflege starten werde und da diese meine Hauptausbildungsstelle ist, habe ich Angst, dass meine Entscheidung negativ auf mich zurückfallen kann - hauptsächlich seitens der Kollegen.

Dass jeder Job eine gewisse Routine hat, ist mir ebenfalls bewusst. Das war auch nicht der ausschlaggebende Grund, wieso ich mich so entschieden habe. 

Ich sehe das ähnlich, dass du dich selbst in diese Lage gebracht hast. Im Endeffekt musst du jetzt einfach das Gespräch suchen und darüber sprechen. Das ist ja das Einzige was du wirklich machen kannst. 

So ganz verstehe ich allerdings noch nicht wo das Problem liegt. Du hast dich eben für einen andern Weg entschieden, natürlich wird deine Chefin nicht begeistert sein, aber du bist noch jung, dass die Entscheidung für einen Beruf überdacht werden muss, ist ja nicht unnormal. Ich denke auch, dass sie das verstehen werden. 

Das mit der Routine ist so eine Sache, natürlich möchte man am liebsten jeden Tag etwas Neues, aber auch als Krankenpflegerin, wird es dir nach ein paar Jahren so gehen, dass es dir trotz der Menschen die wechseln nicht wie etwas Neues vorkommt. Das ist wie mit der Berufsbekleidung, die ändert sich eben nicht und muss jeden Tag angezogen werden, ob sie langweilig ist oder nicht. 

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