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Unternehmen mit aufgebaut - nun vlt ausgebrannt?

30. Oktober um 11:49

Hallo,

ich bin ganz neu hier. Habe noch nie irgend etwas in ein Forum reingeschrieben. Normalerweise würde ich mir wahrscheinlich ein Therapeutin suchen, um meine Probleme einmal die Woche dort zu besprechen. Aber ich denke jetzt in der Corona Zeit haben das andere sicher nötiger als ich und möchte es daher auf diesem Wege versuchen, irgendwie Herrin meiner Probleme zu werden.. naja.. oder sind es schon Depressionen? Steure ich auf ein Burn Out zu? Ich weiß es nicht. Und wenn ich diese Sorgen (so wie momentan) nur bei meinem Freund lasse, zerfressen diese über kurz oder lang unsere Beziehung...

Nun zu meinem Problem: Ich habe vor 2,5 Jahren angefangen ein Unternehmen mit zwei Kollegen aufzubauen. Das Unternehmen ist mehr oder weniger zufällig zu uns gekommen. Und als wir das Angebot für den Aufbau bekommen haben, habe ich das vor Allem aus einem Gefühl der Verantwortung mit angenommen. Gleichzeitig habe ich aber auch meinen Kollegen immer transparent gemacht: Leute, ich bin nicht so belastbar + ich möchte in naher Zukunft auch Kinder. Wenn wir das machen, müssen wir weitere Leute finden, die da richtig Bock drauf haben. Wir sind mittlerweile ein Team von 15 Leuten, einige sind wirklich engagiert. Was auch schön ist, immerhin haben wir einige Arbeitsplätze geschaffen.

Das Problem ist: Ich habe mittlerweile über 3000 unbezahlte Stunden da reingesteckt (Aber weil ich ein Jahr von ALGII gelebt habe und dabei 40/50 Stunden/Woche den Aufbau gemacht habe - also ich habe die Stunden nur zum Teil im Rahmen eines anderen Jobs gemacht. Ich hatte in der Zeit natürlich auch finanziellen Stress und Ängste, aber das ist auch okay. Es ist überhaupt ein Luxus, dass wir dank ALGII sowas aufbauen konnten. Und das hat die Entscheidung mit sich gebracht. Seit dem letzten halben Jahr bin ich aber dazu übergegangen nur noch wenige Überstunden pro Woche zu machen - und generell einen Tag die Woche weniger zu arbeiten, denn jetzt ist der Kinderwunsch immer konkreter. Es hat nur noch nicht geklappt und ich mache auch den Stress und die starke körperliche Belastung in meinem Beruf dafür verantwortlich. Das Problem ist, ich bin auch mit in der Geschäftsführung.

Ich tue mich nur gerade so extrem schwer, mit meiner Entscheidung weniger Stunden zu machen. Das ist nun so seit Monaten. Habe das Gefühl meine Kollegen im Stich zu lassen - weil wir ja doch zusammen das Ganze angefangen haben...Und diese nun extrem viele Stunden die Woche runterreißen und immer frustrierter werden. Im Generellen läuft aber das Unternehmen gut - zumindest was den Absatz angeht besser als gedacht. Für den Absatz zu sorgen war auch mein hauptsächlicher Verantwortungsbereich. Was die Arbeitsbelastung (und die Toleranz im Team dafür) angeht - läuft es aber schlechter als gedacht. Und war klar, dass niemand so engagiert sein wird wie wir, doch haben wir ehrlich gesagt gehofft, dass Allem im Team klar ist, dass wir etwas sehr idealistisches Aufbauen, wo wir nicht so genau auf die Stunden schauen können...Naja und nun bin ich irgendwie ausgebrannt und schaue selbst genau auf die Stunden.

Ich möchte, dass es Allen bei uns im Team gut geht, möchte auch niemanden ausbeuten. Wäre selbst wahrscheinlich die erste die irgendwo einen Betriebsrat gründen würde. Nur mehr als "Dienst" nach Vorschrift zu machen bekomme ich irgendwie nicht hin. Und dann denke ich auch, dass das Unternehmen gerade in so schneller Zeit wächst, war auch nicht meine Entscheidung. Mir wäre ein langsameres Wachstum lieber gewesen. Auch wenn das heißen würde: Ein niedrigeres Gehalt und längeres Arbeiten in einem Provisorium.

Ich profitiere aber natürlich auch davon, dass die anderen soviel mehr Überstunden machen - klar dadurch bekommen wir schnell bessere Arbeitsstrukturen. Doch ich habe zum einen permanent ein schlechtes Gewissen. Zum anderen habe ich manchmal fast das Gefühl "Ich werde rausgemobbt". Gerade bin ich mit meinem Nörgeln an der hohen Arbeitsbelastung dort wohl auch nicht die Lieblingskollegin...

Man muss dazu sagen: Ich bin zwar Geschätsführerin, aber das Unternehmen gehört mir nicht - ich kann auch wieder abgewählt werden. Also ich arbeite aus Idealismus & nicht für meinen eigenen Profit, der evtl dabei irgendwann rausspringt.

Nun gut also das Thema ist: Kürzer Treten im Job - Dadurch schlechte Stimmung der "High Performer" im Team - Wie haltet ihr das aus? Ich bin gerade hin und hergerissen zwischen: Doch wieder mehr Arbeiten (im Grunde genommen stehe ich auch voll hinter den Idealen der Firma) und dann aber evtl. tatsächlich im Burn Out landen. Oder weniger Arbeiten. Oder aber ich mache unnötig Panik - mir gehts doch eigentlich gut & ich arbeite nur aus Trotz (weil ich ja schon soviel reingesteckt habe - nicht mehr? Ich weiß es gerade nicht so recht.

viele liebe Grüße

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