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Unzufriedenheit im Anerkennungsjahr (Sozialpädagogik)

3. November 2009 um 15:23


Hallo,

bereits 2007 habe ich für ein halbes Jahr ein Anerkennungsjahr als Sozialpädagogin gemacht. Fazit: Der Chef schwieg mich nur an, keine Anleitergespräche, zuviel Verantwortung bei zu wenig Anleitung/Hilfe, dafür aber Kritik an meiner Arbeit. Ich habe auf Anraten meiner Fachhochschule gekündigt und daraufhin 1,5 Jahre als Erzieherin in einer Kita gearbeitet.

Ich hab mir viel Mühe gegeben (hatte ja den Erzieher-Beruf auch nicht erlernt), die Kinder schätzten mich und ich habe einige Projekte dort ins Leben gerufen. Die Kolleginnen versuchten mich ständig zu "drücken" (Neid?), mir mangelnde Aktivität zu unterstellen und gaben mir immer das Gefühl, dass ich den Job schlecht mache. Ich denke, es war nicht so. Dennoch habe ich gekündigt, hatte zu der Zeit und danach noch länger psychische Probleme deswegen (Druck auf der Brust, Grübelattacken, kaum Selbstwertgefühl).

Im September habe ich dann wieder eine Stelle als Anerkennungspraktikantin angenommen, um ENDLICH mein Studium Soziale Arbeit so zu vollenden, damit ich einfach was in der Tasche hab (Abschluss+Anerkennung).

Tja, jetzt arbeite ich als Soialpädagogin im Anerkennungsjahr in einer Lernhilfe-Schule und bin totunglücklich da.
Habe die letzten Jahre selbstverantwortlich zu arbeiten gelernt und bin jetzt wieder Praktikant. Das macht mir schwer zu schaffen. Jeder meint, er wäre mein Chef und könnte mich für seine Zwecke einspannen, meine Anleiterin ist sehr nett, aber leider setzt sie sich nicht durch und vertritt mich nicht richtig vor den Kolleginnen und die Arbeit ist einfach nur ätzend.
Habe ca. 1/3 eigenverantwortliche Aufgaben, der Rest ist zuarbeiten und Aufgaben machen, die ich richtig hasse mittlerweile. Es sind nicht unbedingt nur popplige doofe Sachen, sondern durchaus Aufgabengebiete, die zu meinem Beruf passen.
Aber ich habe einfach gemerkt: Das is nichts für mich.
Ich möchte in diesem Bereich und so wie das läuft nicht arbeiten. Nun muss ich aber dieses scheiß Jahr fertig machen, um endlich meine Ausbildung abzuschließen.
Zudem habe ich auch noch ein/zwei total nervige Kolleginnen. Vor allem eine: Sie ist vollkommen chaotisch und hektisch, meint über mich verfügen zu können wann sie will und lässt mich einfach nicht eigenständig denken/handeln. Ständig drückt sie mich und ich fühle mich fachlich total UNTERFORDERT. Habe ja schließlich ein Diplom und Berufserfahrung in der Tasche und sie tut als wäre ich ihr kleines untergebenes Kind und will einfach keine ihrer Aufgaben an mich abtreten (Angst, dass ich das besser/genauso gut kann?).
Was mich eben auch zurzeit sehr belastet ist das Klientel und die Arbeitsbedingungen an sich: Der ständige Lärm, man hört nur noch Schimpfworte und dieses Türkisch-Deutsche Gebrabbel, ständiger Zeitdruck, keine/kaum Pausen, Überstunden, körperliche und psychisch extreme Kraftanstrengungen teilweise.

Fühle mich völlig ausgepowert. Habe seit 2 Monaten immer wieder mit Magenschleimhautentzündung/Reizdarm, Schlafstörungen und Heul- und Grübelattacken zu kämpfen. Zudem ist meine private Situation im Moment nicht so schön, da mein Freund zurzeit wegen psychischen Problemen behandelt wird. Das kostet zudem sehr viel Kraft.


Meine Überlegungen:
- Anerkennungsjahr abbrechen und nochmal was ganz anderes lernen (neues Studium, komplett anderer Bereich?)
- Mit meiner Oberchefin sprechen und sagen, das und warum es mir nicht gefällt und ob man was ändern könnte, damit ich das Jahr überlebe?
- Einfach akzeptieren, dass ich jetzt ein Jahr Praktikant in einem Arbeitsbereich bin, der mich nicht mehr interessiert (früher hat er das) und einfach arbeiten und Sticheleien hinnehmen, um mich nächstes Jahr dann beruflich zu verändern, aber einen gescheiten Abschluss zu haben?

Ich möchte einfach gerne wieder glücklich sein und wenigstens halbwegs gut gelaunt auf die Arbeit gehen. Aber zurzeit bin ich einfach müde und fertig. Hab weniger/keine Lust mehr auf meine Hobbies, mein Freund wird ständig von mir "zugeheult" und ich lebe nur noch von Wochenende zu Wochenende.

Ich wäre sehr dankbar und froh um jeden Rat und Eure Erfahrungen zu diesem Thema.

Liebe Grüße,
Swet

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12. November 2009 um 8:40


Nun weiß ich warum ich in dem Beruf nicht mehr arbeite... Der Begriff "sozial" existiert nur auf dem Papier. Mein Rat- wenn Dir der Job am herzen liegt und Du gern mit den Kindern arbeitest, wechsle die Einrichtung. Davor würde ich allerdings mit der Leitung sprechen.

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17. November 2009 um 21:40
In Antwort auf owena_11883638


Nun weiß ich warum ich in dem Beruf nicht mehr arbeite... Der Begriff "sozial" existiert nur auf dem Papier. Mein Rat- wenn Dir der Job am herzen liegt und Du gern mit den Kindern arbeitest, wechsle die Einrichtung. Davor würde ich allerdings mit der Leitung sprechen.

Kenn ich
Hallo natty,
ich kann gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst.
Mir ging es bis vor einem Monat genauso wie Dir.
Ich habe mein Praktikum durchgezogen und jetzt im
nachhinein bin ich zwar froh da0 ich die staatliche
Anerkennung habe, aber bereue es auch nicht gewechselt zu
haben. wenn Du Lust hast schreib mir doch mal privat.
manuelabuck@web.de

Lieben Gruß
Tabea34

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8. Dezember 2009 um 17:19
In Antwort auf alison_12492835

Kenn ich
Hallo natty,
ich kann gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst.
Mir ging es bis vor einem Monat genauso wie Dir.
Ich habe mein Praktikum durchgezogen und jetzt im
nachhinein bin ich zwar froh da0 ich die staatliche
Anerkennung habe, aber bereue es auch nicht gewechselt zu
haben. wenn Du Lust hast schreib mir doch mal privat.
manuelabuck@web.de

Lieben Gruß
Tabea34

Rückmeldung
Ich bins nochmal.
Danke für Eure Antworten!
Ich wollte mich nochmal kurz melden. Finde das immer doof, wenn man nicht erfährt, wie die Probleme der Leute aus diesem Forum dann doch noch gelöst werden konnten.

Also, ich habe zum Jahresende gekündigt und meine Entscheidung keinesfalls bereut. Heute wurde mir ein Job als Erzieherin angeboten mit der Aussicht vielleicht sogar im Sommer 2010 mein Anerkennungsjahr dort zu machen. Und wenn nicht dort, dann mach ichs halt woanders nochmal.

Klar bedeutet das für mich finanzielle Einbußen und weiteres "Verharren" als Erzieherin statt als Sozialpädagogin. Aber ich mag einfach kleine Kinder und habe bisher in diesem Bereich eher gute Erfahrungen gemacht.

Auf jeden Fall ist es viiiiel besser als auch nur noch einen Tag für meinen alten Arbeitgeber zu arbeiten! Den Horror braucht kein Mensch.

Liebe Grüße,
swet

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27. Dezember 2009 um 22:35

An Swet25
Hey,

endlich weiß ich, dass ich nicht alleine bin mit meinem beruflichen Mißerfolgsdrama, dass seit 5 Jahren nicht enden will. Seit 5 Jahren arbeite ich als Sozialpädagogin und zwischendurch als Erzieherin und muß leider sagen, dass mir kein einziger Job Spaß gemacht hat bis jetzt. Nicht nur das, ich habe mittlerweile so arge gesundheitliche Probleme, dass ich in teilstationärer Psychotherapie gelandet bin. Innerhalb von 5 Jahren 6 Mal eine neue Stelle angetreten und immer unglücklicher geworden. Kann nur sagen, die guten etwas "ruhigeren" Stellen sind alle schon vergeben z.B. in Beratungsstellen und die üblen Stellen, wo man mit jugendlicher Gewalt und Konflikten, furchterregenden Problemen, Geschrei und Lärm (Kita) oder sonstigem Übel zu kämpfen hat, sind frei. Ich weiß nicht mehr wie es weiter gehen soll beruflich. Denke schon an eine Reha, was völlig anderes, denn es hat sich herausgestellt, dass ich nicht belastbar bin für den Beruf.
Dir kann ich das Gleiche nur raten, wechsel schnell die Richtung, solange es noch nicht zu spät ist. Im Praktikum damals im Studium hatte ich auch schon Probleme DAS alles auszuhalten (Sozialtherapeutische Gruppe!!!), hab dennoch weitergekämpft und jetzt das Resultat, nämlich dass ich nicht mehr weiter weiß und kann. was nützt mir der Abschluß wenn ich es nicht schaffe, Fuß zu fassen.

Alle Gute!!!

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8. Januar 2010 um 22:36
In Antwort auf owena_11883638


Nun weiß ich warum ich in dem Beruf nicht mehr arbeite... Der Begriff "sozial" existiert nur auf dem Papier. Mein Rat- wenn Dir der Job am herzen liegt und Du gern mit den Kindern arbeitest, wechsle die Einrichtung. Davor würde ich allerdings mit der Leitung sprechen.

Nein.
Ich bin das Gegenbeispiel. Es gibt noch Träger, die sich um ihre Angestellten kümmern und ihnen ein nötiges Arbeitsumfeld bieten.

Das Problem sind aber nicht die Träger, die ihre Angestellten überfordern, sondern die Tatsache, dass wir Sozialpädagogen zu blöd sind eine vernünftige Lobby zu organisieren.

Kopf hoch, es geht immer auch wieder nach oben. Und ich habe dies auch erst nach langem Suchen und viel Glück gefunden.

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