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Will keine "Karriere" - bereue ich es irgendwann?

18. Januar 2010 um 16:44

Hallöchen,

ich hatte heute ein Gespräch mit meinem "Chef", weswegen ich mir jetzt ziemlich Gedanken mache, er hat mich sehr verunsichert. Vorneweg: er ist nicht in dem Sinne mein Chef wie es in einem Unternehmen ist. Ich arbeite in der Politik-Branche und er ist sozusagen unser Vorsitzender, ich betreue als Geschäftsführerin das Büro, organisiere alles drumherum etc.

Nach meinem Studium hatte ich die Wahl zwischen mehreren Job-Angeboten, darunter auch die Leitung von Wahlkreisbüros eines Bundestagsabgeordneten in seinem Heimatwahlkreis. Da hätte ich 4 Büros unter mir gehabt. Allerdings habe ich mich für eine Stelle in der Lokalpolitik entschieden, ich leite nur ein Büro (mein eigenes ) und arbeite auch nur 3 Tage die Woche.
Eigentlich war ich damit total zufrieden, ich verdiene zwar nicht so viel Geld, aber zusammen mit dem Verdienst meines Partners kommen wir gut durchs Leben, wohnen in einem Häuschen und gönnen uns den kleinen Luxus wie essen gehen oder baden fahren. Viel mehr ist nicht drin, aber das reicht uns zum glücklich sein. Vor allem habe ich Zeit, Zeit für mich, den Haushalt, meinen Partner und irgendwann auch mal für ein Kind. Ich will ja durchaus arbeiten, aber eben keine 40 Stunden, solange wir es uns leisten können. So hab ich mir das immer gewünscht.

Mein Chef hat mir dann heute erzählt, wie viele Leute doch bereuen, dass sie beruflich nie das Maximum rausgeholt haben. Seine Frau beispielsweise ist Ärztin bei der Bundeswehr und sie bereue noch heute, ihre Karriere wegen dem Kind zurück gestellt zu haben. (Finde ich schonmal komisch, denn sie arbeitet ganz normal, weiß nicht, was sie zurück gestellt hat) Mein Chef hat den zweithöchsten Beamtengrad, den es gibt, hat bereits als Richter gearbeitet und und und. Auch er bereut seinen Karriereverlauf, dabei hat er - meiner Meinung nach - alles erreicht im Leben.

Jetzt gucke ich mich an - Halbtagsjob ohne Aufstiegsmöglichkeiten (bin ja schon Geschäftsführerin), so viel Geld, dass es zum Leben grade reicht. Und wenn die nächsten Wahlen vor der Tür stehen, heißt es eh wieder bangen, ob ich dann noch gebraucht werde.

Natürlich frage ich mich jetzt auch, ob ich das mal bereuen werde. Ob es nicht besser gewesen wäre einen Job anzunehmen, bei dem ich zwar wesentlich mehr arbeiten muss, aber auch mehr Geld und mehr Karriere machen kann. Kann es wirklich sein, dass man jetzt zwar denkt, alles sei gut so, aber dann bereut man es irgendwann?

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18. Januar 2010 um 18:53

Guter Beitrag
Ich bin immer der Meinung, daß es viel wichtiger ist, mit sich selbst im reinen zu sein als sich um Gedeih und Verderb im Haifischbecken der Karrieristen um den nächsten Brocken zu raufen...

Du selbst bringst ja die besten Beispiele, ich kenne ebenfalls einige, die wie Dein Chef denken... alles erreicht, Wohlstand, Ansehen... und doch unzufrieden? Da fehlts an inneren Idealen, an grundsätzlichen Werten- nur wer gelernt hat, mit dem nötigsten auch klar zu kommen, kann meines Erachtens wirklich glücklich und zufrieden sein. Wenn dann irgendwann mal die Zeit reif ist für eine "tolle Chance" wirst Du sie auch ergreifen- aber nicht, um "Karriere" zu machen, sondern weil DU selbst das Gefühl hast, es bringt Dich als Persönlichkeit weiter. Gut.. wenn Du dann auch noch mehr Geld verdienst, ist das ein netter Nebeneffekt, aber das wird nicht Deine Hauptmotivation sein.

Das Beispiel mit der Lokalpolitik finde ich sehr passend.... Ich selbst hatte auch jahrelang das Vergnügen, in der Lokalpolitik herumzuwursteln und lehnte es aber irgendwann ab, mich für die Partei vor den Karren spannen zu lassen- man bot mir einen guten Listenplatz für ein Kreistagsmandat an; ich lehnte ab, weil ich wusste, daß ich mich in den folgenden sechs Jahren beruflich weiterbilden würde und dann kaum mehr Zeit bliebe, mein Amt vernünftig auszuführen. Mein Idealismus war dafür zu sehr ausgeprägt....

Ich sah in der Zwischenzeit meine Parteikollegen aufsteigen, mit Ellbogen um sich boxend, Gesichter verlieren...... Der eine ist inzwischen Landesvorsitzender in Bayern, der andere fest etabliert als MdL... und will von den alten Zeiten nichts mehr wissen...

Ich bin froh, mich nicht diversen Zwängen unterworfen zu haben und habe mein Glück anderweitig gefunden

Hör auf Dein Bauchgefühl, wenn Du mit Deinem Leben zufrieden bist, lächle und sag zu Dir- die anderen sind vielleicht materiell reich, aber in der Seele arm

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